Die schlimmste Sünde einer Komponistin sei es, das Publikum zu langweilen, fand Ursula Mamlok. Folglich ist ihre Musik prägnant und knapp gehalten, oft von erfrischendem Witz. Kontraste sind ein wichtiges Mittel, um das Hörinteresse wachzuhalten.
Gedenkkonzert mit Preisverleihung
„Kontraste, Rhapsodien und Aphorismen“ nennt die Mamlok-Stiftung ihr Gedenkkonzert zum 10. Todestag der Komponistin im betrüblich schwach besetzten Werner-Otto-Saal im Konzerthaus. Zugleich wird dort der Dwight und Ursula Mamlok-Preis an junge Nachwuchsmusiker:innen vergeben. Die Geigerin Rachel Koblyakov und das Trio Track3 werden für innovative Programmgestaltung, den Umgang mit extremen Klangschichten, die Einheit von Präzision und Lebendigkeit ausgezeichnet, wie Jurymitglied Holger Groschopp ausführt.
Trio Track3: Drei individuelle Spuren
Der Klarinettist Taavi Orro, der Bratscher Elijah Spies und die Pianistin Shan-Chi Hsu verfolgen drei individuelle Spuren (Tracks), die sie aus Estland, USA und Taiwan zusammengeführt haben. Mit dem Auftragswerk „Stuff #2B“ von Hanurij Lee wagt sich das Trio in zumeist geräuschhafte Klangwelten von fast tonlos gezupften Klaviersaiten, Bläser-Spaltklängen, Abklopfen der Instrumente und sogar des Bratschenkoffers.
Seine Ausdruckskraft und Klangsensibilität in subtilen Überblendungen kann das Trio in Mamloks „Rhapsody“ (1989) zeigen, die fünfteilig von filigranen Figurationen, melodiösen Einschüben, scherzoartigen Rhythmen in einen ironisch auftrumpfenden Schluss führt. In meisterhafter Plastizität ersteht in György Kurtágs „Hommage à R.Sch.“ die „Dreiernatur“ Robert Schumanns, mit dem leidenschaftlichen „Florestan“, dem sanften „Eusebius“ und dem kühlen „Meister Raro“, der sich zu Guillaume de Machaut zurückflüchtet.
Rachel Koblyakov: Wandlungsfähigkeit an der Solovioline
Rachel Koblyakov zeigt an der Solovioline ihre Wandlungsfähigkeit. Die an der Juilliard-School New York und am Pariser Conservatoire ausgebildete Geigerin setzt dem Avantgarde und Tradition versöhnenden „soleil seulement le soleil“ der Iranerin Farnaz Modarresifar die scharfkantigen „Anthèmes“ von Pierre Boulez entgegen. Sie brilliert in Johannes Maria Stauds „Towards a Brighter Hue“ (einem helleren Farbton entgegen) mit feuerzüngelnden und -glimmenden Rhythmen und betont mit Mamloks „Aphorisms“ und „From my Garden“ in kapriziösen und lyrischen Wendungen die Vielgestaltigkeit dieser Komponistin.



