Star-Fotograf Martin Schoeller: „Für mich gab’s keine Helden“
Martin Schoeller: „Für mich gab’s keine Helden“

Martin Schoeller, international renommierter Porträtfotograf, präsentiert im Olympiastadion Berlin eine Auswahl seiner ikonischen Nahaufnahmen. Die Ausstellung in der Ehrenhalle zeigt Gesichter von Weltstars wie U2-Frontmann Bono Vox, Basketball-Legende Kobe Bryant und Country-Sänger Willie Nelson – alle fotografiert mit Schoellers unverwechselbarem Stil: extrem nah, frontal und ohne Inszenierung. Im Gespräch mit der Berliner Bezirksreporterin Iris May spricht der Fotograf über seine Arbeit, seine Haltung zu Prominenz und die Besonderheit Berlins.

Keine Helden, nur Menschen

„Für mich gab’s keine Helden“, sagt Schoeller. Diese Aussage zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen. Anders als viele seiner Kollegen, die Prominente oft verklärend ablichten, geht es Schoeller um Gleichheit. Er fotografiert alle nach dem gleichen Prinzip: gleicher Hintergrund, gleiches Licht, gleicher Bildausschnitt. Das Ergebnis sind Porträts, die die Persönlichkeit des Abgebildeten offenlegen, ohne sie zu überhöhen. „Ich will die Menschen so zeigen, wie sie sind – ohne Maske“, erklärt der 56-Jährige.

Trump als Herausforderung

Ein besonderes Erlebnis war für Schoeller das Porträt von Donald Trump. Der damalige US-Präsident ließ sich nur unter strengen Auflagen fotografieren. „Er wollte die Kontrolle behalten“, erinnert sich Schoeller. Doch der Fotograf ließ sich nicht beirren: „Ich habe meine Kamera einfach aufgebaut und gewartet. Irgendwann gab er nach.“ Das Ergebnis ist ein intensives Porträt, das Trumps Mimik und Gestik einfängt – ohne Beschönigung. Schoeller betont: „Ich mache keine politischen Statements. Ich zeige nur, was ich sehe.“

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Berlin als Inspirationsquelle

Die Ausstellung im Olympiastadion ist für Schoeller auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Der gebürtige Deutsche lebt seit vielen Jahren in New York, doch Berlin habe ihn geprägt. „Berlin ist roh, ehrlich und voller Gegensätze – das spiegelt sich in meiner Arbeit wider“, sagt er. Die Wahl des Ortes sei bewusst gewählt: Das Olympiastadion stehe für Geschichte und Größe, aber auch für den Wandel. „Es ist ein Ort, der Demut lehrt“, so Schoeller.

Schönheit im Detail

Schoellers Nahaufnahmen sind bekannt für ihre Detailgenauigkeit. Jede Falte, jeder Makel wird sichtbar. „Schönheit liegt für mich im Unperfekten“, erklärt er. Seine Porträts zeigen nicht nur die Glamourseite der Prominenz, sondern auch die menschlichen Züge. So ist etwa das Bild von Kobe Bryant kurz vor dessen tragischem Tod entstanden – ein stilles, nachdenkliches Porträt, das den Sportler jenseits des Rampenlichts zeigt. Schoeller: „Ich will Geschichten erzählen, die unter der Oberfläche liegen.“

Ausstellungsdetails

Die Ausstellung „Martin Schoeller – Nahaufnahmen“ ist noch bis zum 31. Oktober 2026 in der Ehrenhalle des Olympiastadions Berlin zu sehen. Der Eintritt ist im Stadionticket enthalten. Besucher können die Porträts täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigen. Weitere Informationen gibt es auf der Website des Olympiastadions.

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