Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026: Philippe Sands ausgezeichnet
Philippe Sands erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Der Internationale Jurist und Schriftsteller Philippe Sands wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2026 ausgezeichnet. Die Jury des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels würdigte ihn als einen der derzeit bedeutendsten Menschenrechtsanwälte und betonte die erzählerische Brillanz sowie historische Tiefe seines literarischen Werks.

Ein Jurist im Zentrum des Völkerrechts

Philippe Sands, 1960 in London als Sohn jüdischer Eltern geboren, ist Professor für Internationales Recht und praktiziert als Anwalt am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Seine Arbeit umfasst zahlreiche prominente Fälle: Er vertrat die Salomonen gegen die Bedrohung durch Nuklearwaffen, Georgien im Rechtsstreit mit Russland über Südossetien, Palästina im Verfahren zur Rechtmäßigkeit der israelischen Besetzung und aktuell Gambia im Völkermordverfahren gegen Myanmar wegen der Verbrechen an der muslimischen Minderheit der Rohingya. Zudem engagiert sich Sands für die Anerkennung von „Ökozid“ als Straftatbestand am Internationalen Gerichtshof.

Literarische Werke zwischen Recht und Geschichte

Neben seiner juristischen Tätigkeit verfasst Sands literarische Sachbücher, die Recht, Geschichte und Reportage verbinden. Auf Deutsch erschienen zuletzt „Die Verschwundenen von Londres 38. Über Pinochet in England und einen Nazi in Patagonien“ (2023, S. Fischer). Darin verknüpft er den Prozess gegen den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet in London mit den Recherchen über den Ex-SS-Offizier Walther Rauff, der möglicherweise an Pinochets Verbrechen beteiligt war. Sands schreibt im Vorwort: „Es ist eine persönliche Reise. Es geht um Gerechtigkeit und Erinnerung und Straffreiheit, über Zeit und Ort hinweg.“

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Weitere Bücher wie „Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht“ über den SS-Offizier Otto Wächter, „Die letzte Kolonie. Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Indischen Ozean“ und „Rückkehr nach Lemberg“ über die Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin, die an den Nürnberger Prozessen mitwirkten, zeigen Sands' Fähigkeit, komplexe völkerrechtliche Begriffe wie „Genozid“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ anschaulich zu machen.

Begründung der Jury

Die Jury des Friedenspreises erklärte: „In seinem literarischen Werk, das mit erzählerischer Brillanz ebenso überzeugt wie mit historischer Tiefe, blickt Philippe Sands sowohl auf die Motive der Täter als auch auf das Leid und die Leben der Opfer.“ Die Wahl sei zeitgemäß und aktuell, da Sands zeige, was hinter den juristischen Begriffen stehe, die in der öffentlichen Debatte oft verwendet würden.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird jährlich verliehen und ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Verleihung an Philippe Sands findet im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2026 statt.

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