Konzert-Tipps Berlin: Lenny Kravitz, Seal, Yngwie Malmsteen und Orgelkonzerte
Konzert-Tipps Berlin: Kravitz, Seal, Malmsteen & Orgel

Seal: Europop-Star der Neunziger

Seal Henry Olusegun Olumide Adeola Samuel, geboren 1963 im Londoner Stadtteil Paddington als Sohn einer Nigerianerin und eines Brasilianers, kürzte seinen Namen auf das eingängige Seal. Sein charismatischer, von Gospel, Soul und Funk geprägter Gesang verhalf ihm zu internationalem Ruhm. Gemeinsam mit dem Produzenten Adamski nahm er den Song „Killer“ auf, der 1990 ein Mega-Hit wurde. Seine Soloalben von 1991 und 1994, beide schlicht „Seal“ betitelt, verkauften sich millionenfach. Hits wie „Crazy“ oder „Kiss From a Rose“ festigten seinen Status als Europop-Star der Neunziger. Obwohl er später nicht an diese goldenen Jahre anknüpfen konnte – auch nicht durch die seiner Popularität zuträglichen Ehe mit Heidi Klum –, ist Seal mit 63 Jahren als stimmsicherer Verwalter seines musikalischen Erbes eine sichere Bank.

Mari Fukumoto: Virtuose Orgel im Berliner Dom

Der Komponist Max Reger starb 1916 im Alter von nur 43 Jahren, hinterließ aber rund 1000 Werke. „Meine Orgelsachen sind schwer. Es gehört ein über die Technik souverän herrschender, geistvoller Spieler dazu“, bekannte er einst. Eine solche Spielerin ist Mari Fukumoto. Die vielfach ausgezeichnete Japanerin ist derzeit Gastprofessorin an der Universität der Künste Berlin. Im Berliner Dom spielt sie Regers virtuose Fantasie und Fuge d-Moll, op. 135b – sein letztes großes Werk, das erst nach seinem Tod uraufgeführt wurde. Ebenfalls zu hören ist Regers Orgel-Bearbeitung von Bachs kühner Chromatischer Fantasie und Fuge d-Moll. Den Rahmen bilden Händels beliebte Grobschmied-Variationen (Orgel-Bearbeitung von Sigfrid Karg-Elert) und Werke von Ottorino Respighi.

Wayne Marshall: Gershwin-Experte in der Gedächtniskirche

Der Brite Wayne Marshall, der 2021 von Königin Elizabeth II. zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt wurde, ist sowohl als Organist und Pianist als auch als Dirigent gefragt. Mit den Philharmonikern arbeitete er zunächst als Solist und 2021 erstmals als Dirigent; auch in der Staatsoper stand er bereits am Pult. Beim Orgelsommer in der Gedächtniskirche präsentiert Marshall ein Programm, das neben Werken von Bach und Franck auch Stücke von Leonard Bernstein und George C. Baker umfasst. Er gilt als Experte für George Gershwin und andere US-Komponisten.

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Lenny Kravitz: Paradiesvogel der Popmusik

Bescheidenheit ist in Rockstar-Kreisen selten. Lenny Kravitz ist auf seinen Platten nicht nur als Sänger und Multiinstrumentalist zu hören, sondern auch auf jedem Cover seiner zwölf Alben zu sehen. Schon beim Debüt „Let Love Rule“ (1989) im Close-up, auf „Mama Said“ (1991) von einer Federboa umflossen, auf „Baptism“ (2004) dramatisch in blutrote Flüssigkeit getaucht. Auf „Are You Gonna Go My Way“ (1993) zeigt er erstmals sein wohlgeformtes Sixpack – fortan integraler Bestandteil seiner Selbstinszenierung. Der 62-Jährige wäre nicht beleidigt, würde man ihn eitel nennen: Die ganzen Push-ups und die vegane Low-Carb-Diät mit selbst angebauten Lebensmitteln sollen nicht umsonst gewesen sein. Abgesehen von seinem Aussehen ist er mit einer charismatischen, variationsreichen Stimme gesegnet und ein furchtloser Multiinstrumentalist mit Schwerpunkt elektrische Gitarre. Er toleriert den begabteren Sologitarristen Craig Ross neben sich, damit er sich im Konzert auf sein Kerngeschäft als sexy Rampensau konzentrieren kann. Sein Frühwerk war geprägt von Stevie Wonder, den Beatles, Led Zeppelin und Bill Withers, deren Stile er zu nostalgischem Eklektizismus vermengte. Große Hits wie „It Ain’t Over ‘til It’s Over“ oder „Are You Gonna Go My Way“ katapultierten ihn in die Arena-Liga. Zu Beginn seiner Karriere bekam er Skepsis zu hören: Seine Musik sei wahlweise „nicht schwarz genug“ oder „nicht weiß genug“. Er legte das alberne Alias „Romeo Blue“ ab und nutzt seinen Geburtsnamen. Auch wenn seine jüngeren Platten rockige Entschlossenheit statt verführerischer Uneindeutigkeit zeigen, bleibt Kravitz mit Anfang 60 ein Paradiesvogel der Popmusik.

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Benjamin Alard: Bach-Experte zum 276. Todestag

Der französische Organist und Cembalist Benjamin Alard hat sich vorgenommen, alle Werke von J. S. Bach für Tasteninstrumente (Orgel, Cembalo, Clavichord) einzuspielen – in chronologischer Reihenfolge, um Bachs musikalische Entwicklung nachzuspüren. Das Projekt soll voraussichtlich 2030 abgeschlossen sein und rund 60 Stunden Musik umfassen. Alard, Organist der Église St-Louis-en-l’Île in Paris, gibt zum 276. Todestag des Meisters ein Sonderkonzert. Auf der (vielfach umgebauten) Wagner-Orgel von 1723 spielt er Bachs vier große Orgeltoccaten und die sechs Schübler-Choräle.

Yngwie Malmsteen: Schwedischer Gitarrenhexer

Yngwie Malmsteen, 63, ist bekennender Mattenträger und -schüttler mit beeindruckenden Koteletten. Der schwedische Heavy-Metal-Gitarrenhexer wuchs als Kind einer Klempnerfamilie in Stockholm auf und wurde vom klassischen Violinvirtuosen Niccolò Paganini ebenso beeinflusst wie von Metal-Gitarrengöttern wie Ritchie Blackmore oder Jimmy Page. Seinen Individualstil, beschrieben mit Begriffen wie „Skalenläufe im phrygischen Modus“ oder „scalloped fretboard“, hat Malmsteen seit 1984 auf mehr als zwei Dutzend Alben perfektioniert. Angesichts seiner instrumentalen Fähigkeiten verstummt jede Kritik.