Jeden Freitag stellen vier Musikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche in der Sendung „Soundcheck“ bei Radio eins vor. Diese Woche stehen neue Platten von Tricky, Nia Archives, Yard Act und Steve Lacy im Fokus. Die Kritiken fallen gemischt aus: Während Tricky mit seinem 15. Album enttäuscht, überzeugen die anderen Künstler mit frischen Ansätzen.
Tricky: „Different When It’s Silent“ – Ein schwacher Versuch
Tricky, der in den Neunzigern mit Trip-Hop ein eigenes Genre prägte, legt mit „Different When It’s Silent“ sein 15. Album vor. Der Versuch, Trip-Hop mit Rockelementen zu kombinieren, führt laut Musikjournalist Joachim Hentschel zu „mittelgutem, traurigem Rock“. Das Album sei „über weite Strecken eine besonders trübe, uninspirierte Angelegenheit“. Für einen Künstler, der einst grenzgeniale Platten schuf, sei es schwer, dem alten Ruf gerecht zu werden.
Nia Archives: „Emotional Junglist“ – Poppige Wende
Erst 2022 erschien das Debütalbum „Silence is loud“ der Londoner Musikerin Nia Archives, das tief im Jungle- und Drum’n’Bass-Sound der 90er verwurzelt war. Auf ihrem zweiten Album „Emotional Junglist“ vertieft die 26-Jährige ihre Liebe zu poppigen Sounds. Inhaltlich setzt sie sich mit dem Auf und Ab in der romantischen Liebe auseinander – „Falling in and out of love“, so Moderatorin Elissa Hiersemann.
Yard Act: „You’re Gonna Need A Little Music“ – Wütend und ironisch
Der Titel des dritten Albums von Yard Act klingt ironisch: „Man braucht immer Musik, gerade in finsteren Zeiten. Aber nur ein bisschen davon?“, fragt Christian Schröder vom Tagesspiegel. Die Songs der Band aus Leeds sind laut, oft wütend und springen einem direkt ins Gesicht. Themen sind das Recht aufs Betrunkensein, das Gequatsche öder Menschen und die Liebe als Rettung. Ihre Mischung aus Rap und Billigbeats erinnert an die Sleaford Mods, aber Yard Act können auch richtig rocken.
Steve Lacy: „Oh yeah“ – Grenzenloser Pop
Steve Lacy begann mit Schlafzimmer-iPhone-Beats für The Internet und erforscht seitdem die Weiten des R'n'B. Sein neues Album „Oh yeah“ führt ihn noch weiter in die Luftigkeit, die in LA zwischen Rap und Jazz mit Thundercat, Kamasi Washington und Kendrick Lamar entstanden ist. Laut Musikjournalistin Vivian Perkovic geht es „immer weiter weg von allen Stereotypen und Begrenzungen, für die sich Steve Lacy ohnehin noch nie interessierte“. Das Album bewegt sich in die Weiten des Pop und Rock.



