Vor 150 Jahren, am 8. Februar 1876, wurde Paula Modersohn-Becker in Dresden geboren. Die Künstlerin, die als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Moderne gilt, lebte und wirkte vor allem im Künstlerdorf Worpswede nordöstlich von Bremen. Dort hinterließ sie zahlreiche Spuren, die heute noch sichtbar sind.
Gästeführerin Mira Awad führt Besucher auf einem Rundgang zu neun Stationen, die mit dem Leben der Malerin verbunden sind. „Wenn das Wort Worpswede fällt, dann sagt jeder sofort: Paula Modersohn-Becker“, erklärt Awad. Die Künstlerin, deren Werke auch in New York und Chicago zu sehen waren, hat in Deutschland eine große Fangemeinde, die sie vor allem durch ihre Briefe und Tagebuchnotizen kennt.
Mit 22 Jahren kam Paula Becker nach Worpswede und nahm privaten Malunterricht bei Fritz Mackensen, dem Gründer der Künstlerkolonie. Kunstakademien waren Frauen zu jener Zeit noch verschlossen. Mackensens Atelier befand sich in der Alten Schule neben der Zionskirche, einem der heutigen Stationen des Rundgangs. Zu seinen Schülerinnen gehörte auch Clara Westhoff, die spätere Bildhauerin, mit der Paula eine enge Freundschaft verband.
Eine Anekdote aus dem Jahr 1900 zeigt den unbeschwerten Geist der jungen Künstlerinnen: An einem Sonntag läuteten Paula und Clara unbedacht die Kirchenglocken der Zionskirche, woraufhin eine Menschenmenge wegen vermeintlichen Feuers zusammenlief. Der Kirchenvorstand belegte die beiden mit einer Geldstrafe, die sie nicht zahlen konnten. Stattdessen mussten sie die Kirche verschönern: Clara stiftete Engelsköpfe für die Emporenpfeiler, Paula steuerte Blumenmotive bei. Diese wurden in der NS-Zeit, als ihre Kunst als entartet galt, übertüncht und erst 1988 wieder freigelegt.
Paula Modersohn-Becker suchte ihre Modelle oft im Armenhaus des Ortes, heute eine kommunale Galerie. Ihr Atelier hatte sie bei Bauer Brünjes an der Ostendorfer Straße, heute eine Ferienwohnung. Vom Brünjeshof führt der Weg zum Barkenhoff, dem ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des Jugendstilkünstlers Heinrich Vogeler, das um 1900 das kulturelle Zentrum Worpswedes war. Dort traf sich der Freundeskreis, zu dem auch der Dichter Rainer Maria Rilke gehörte. 1901 heiratete Paula Becker den Maler Otto Modersohn, der sie in ihrer künstlerischen Freiheit unterstützte.
Viermal kehrte Paula Modersohn-Becker Worpswede den Rücken, um in Paris Inspiration zu suchen, und kehrte jedes Mal zurück in das gemeinsame Haus in der Ortsmitte, das heute das Museum am Modersohn-Haus ist. „Sie war eine selbstbestimmte Frau, die sich in der Männerwelt durchgesetzt hat und unbeirrt ihren Weg gegangen ist“, resümiert Gästeführerin Awad.



