Ein früherer Berliner Kulturstaatssekretär und ein Ex-Opernintendant haben die mangelnde Auseinandersetzung mit der Zukunft der Berliner Kultur im laufenden Wahlkampf kritisiert. André Schmitz und Dietmar Schwarz fordern in einem Gastbeitrag im „Tagesspiegel“ ein klares Bekenntnis zur Kultur und zusätzliche finanzielle Mittel für diesen Bereich.
Kulturhaushalt unter Druck
„Die Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen haben in den vergangenen beiden Jahren drastische Einschnitte hinnehmen müssen. Das Ansehen Berlins als Kulturmetropole hat darunter gelitten“, schrieben die beiden ehemaligen Spitzenbeamten. Sie verwiesen darauf, dass der Kulturetat mit rund 950 Millionen Euro etwa zwei Prozent des Gesamthaushalts von 45 Milliarden Euro ausmache – ein aus ihrer Sicht überschaubarer Betrag. Bereits 2016 habe der Anteil der Kultur am Gesamthaushalt bei rund zwei Prozent gelegen. „Jedes erfolgreiche Unternehmen würde seine Stärken weiterentwickeln, in sie investieren, wenn sie zukunftsfähig sind“, so Schmitz und Schwarz.
Kritik an CDU-Spitzenkandidat Evers
Die beiden Autoren übten deutliche Kritik am neuen CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers. Dieser spreche zwar gerne über die Potenziale Berlins, habe die Kultur aber in einem Interview kürzlich nicht erwähnt. „Wer regieren will, sollte nicht nur über die Probleme dieser Stadt sprechen, sondern auch ihre größte Stärke“, schrieben Schmitz und Schwarz. Für sie ist Kultur kein Luxus, sondern „Identität, Wirtschaftsfaktor und internationales Aushängeschild zugleich“. Wer dies erkenne und entsprechend handle, stärke nicht nur die Kunst, sondern die Zukunft Berlins.
Appell an die Politik
Schmitz und Schwarz räumten ein, dass die finanzielle Lage Berlins schwierig sei. Dennoch sei es notwendig, die Kultur als zentrales Thema im Wahlkampf zu verankern. Sie forderten mehr Mut, Geld und Aufmerksamkeit für die Kulturszene. Die Einrichtungen hätten in den vergangenen Jahren stark gelitten, und das internationale Ansehen der Stadt sei gefährdet. Ein klares Bekenntnis zur Kultur sei überfällig.



