„Fireworks“: BR und ARD zeigen Film über realen Mord an schwulem Paar
„Fireworks“: BR und ARD zeigen Film über realen Doppelmord

Der Spielfilm „Fireworks“ von Giuseppe Fiorello aus dem Jahr 2023 basiert auf einem realen Doppelmord, der sich 1980 auf Sizilien ereignete und die italienische Schwulenbewegung befeuerte. Das BR Fernsehen zeigt die tragische Liebesgeschichte zweier Jungs am 9. Juli um 23:15 Uhr im Spätprogramm, anschließend ist der Film 30 Tage in der ARD-Mediathek im Rahmen der Reihe „BR Queer“ verfügbar.

Die Handlung: Zwei Teenager verlieben sich

Anfang der 80er Jahre lernen sich die beiden Teenager Nino und Gianni kennen, als sie auf einer Landstraße mit ihren Mopeds zusammenstoßen. Um den Unfall wiedergutzumachen, bietet der eine dem anderen einen Job bei seinem Vater an, der Feuerwerke veranstaltet. Aus der Freundschaft entwickelt sich eine romantische Liebschaft, die sie eigentlich angstfrei leben wollen. Doch als die konservativen und ängstlichen Familien von dieser Beziehung erfahren, bricht die Hölle los.

Der wahre Hintergrund: Der „Delitto di Giarre“

Der Film basiert auf einem realen Kriminalfall, der im Oktober 1980 auf Sizilien passierte. In Italien ist er als „Delitto di Giarre“ (Mord von Giarre) bekannt. Giarre ist eine Stadt am Osthang des Ätnas, in der Nähe von Catania. Das Verbrechen an zwei verliebten jungen Männern, mutmaßlich im Auftrag der Familien begangen, führte zur Gründung des Verbands „Arcigay“, einem bis heute wichtigen queeren Bürgerrechtsverband. Der Täter wurde nie eindeutig ermittelt.

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Film verlegt Handlung ins WM-Jahr 1982

Der Film verlegt die Handlung für eine explosivere Dramatik ins Jahr 1982, in die Zeit der Fußball-WM, die Italien im Finale gegen Deutschland gewann. So analysiert er nebenbei Machotum, Patriotismus und Pseudozusammenhalt. Die Widmung am Ende des Films lautet: „Für Toni und Giorgio, die 1980 auf Sizilien erschossen wurden, weil sie sich liebten“.

Gesellschaftskritik und zeitlose Botschaft

Obwohl der Film im Italien der frühen 80er angesiedelt ist, beansprucht er Geltung für mindestens das frühere Deutschland und weite Teile der heutigen Welt, egal ob streng katholisch, islamisch oder heteronormativ geprägt. Die Sex- und Schwulenfeindlichkeit etwa von Ninos Eltern wird als Angst vor Fremdem und Bösem erzählt. Die Mutter sagt voller Furcht zu ihrem Sohn: „Mit dem mutmaßlichen Lover des 16-Jährigen sei der Teufel ins Haus gekommen.“ Der Vater meint: „Wenn er diese unaussprechliche Neigung habe, dann sei er ein Schwein.“ Die entscheidende Frage der besorgten Eltern voller Abscheu: „Ist was passiert oder nicht?“ – dabei schienen sie vorher im Film so liebevoll zu sein.

Interessante Charaktere und ein Lichtblick

Über den Jungen Gianni existieren viele Gerüchte, und die engstirnige Dorfgemeinschaft mobbt ihn, weil er bei Intimitäten mit einem Mann gesehen worden sei. Giannis Mutter Lina, liiert mit einem gewalttätigen Mann, der den Stiefsohn hasst, hat Angst vor einem neuen Skandal. Sie ist selbst Opfer – ihrer Erziehung, eines schrecklichen Männlichkeitsideals und der vorherrschenden Moral, die stärker als die Liebe zum eigenen Kind erscheint. Ein kleiner Lichtblick in Ginos Familie ist ein Onkel, der unter Verweis auf eigene Erfahrungen rät, so zu leben, wie man es für richtig halte, dabei jedoch möglichst diskret zu bleiben.

Sehenswerter Film mit bittersüßer Musik

Der italienische Spielfilm ist fabelhaftes Erzählkino und ein gelungenes Sittenbild. Trotz tödlicher Tragik ist er insgesamt lebensbejahend. Er zeigt sinnlich und schön fotografiert eine vorsichtig entfaltete Liebesgeschichte (Originaltitel: „Stranizza d'amuri“; in etwa „Die Seltsamkeit der Liebe“). Zuschauer werden lange in trügerischer Gewissheit gehalten, dass am Ende doch alles gut werden wird. Dazu trägt auch die bittersüße Musik von Franco Battiato bei. In einer Schlüsselszene bei einem Küchentanz von Gianni und seiner Mutter erklingt das Lied „Il mio mondo“ von Umberto Bindi, von dem es auch die englische Version „You're My World“ und die deutsche Fassung „Meine Welt bist du“ gibt.

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