Das Burg Herzberg Festival in Breitenbach (Osthessen) will mit neuen Musikformaten und einer gezielten Ansprache junger Menschen seine Zukunft sichern. Das größte und älteste Freiluft-Hippie-Festival Europas, das jährlich rund 10.000 Besucher anzieht, steht vor Herausforderungen: gestiegene Kosten, veränderte Erwartungen des Publikums und die Konkurrenz von rund 1.800 Musikfestivals in Deutschland.
Generationenwechsel und neue Ansprüche
Gunther Lorz, der das Festival mehr als 20 Jahre lang führte und heute als Teilhaber fungiert, beobachtet einen Wandel bei den Besuchern: „Neue Besucher-Generationen bieten uns auch immer die Chance, neue Anregungen und Herausforderungen zu meistern“, sagt der 58-Jährige. Die Hotline des Festivals erreichen vermehrt Fragen zur Infrastruktur auf dem Campinggelände „Freak City“. Junge Menschen kämen mit höheren Ansprüchen als frühere Generationen, so Lorz. Gleichzeitig schrumpfe das Stammpublikum der Baby-Boomer, das jahrzehntelang stabil war. „Der Kuchen ist kleiner geworden“, beschreibt Lorz die Situation.
Junges Team und Social Media
Ein Team aus drei jüngeren Leuten kümmert sich in Fulda um die Geschäfte und spricht gezielt junge Menschen über Instagram und andere soziale Medien an. Lorz selbst hält sich dort bewusst zurück: „Also die jungen Leute wischen ja schneller weg, wenn sie so ein Gesicht wie mich sehen.“ Das Line-Up ist generationsübergreifend: Neben Urgesteinen wie der Krautrock-Band Guru Guru mit dem 85-jährigen Frontmann Mani Neumeier treten Headliner wie die australische Rockband Wolfmother, der Bluesrocker Walter Trout und die Berliner Band Kadavar auf. Insgesamt werden rund 200 Künstler auf fünf Bühnen erwartet.
Neue Impulse: Sing-Along und DJ-Sets
In diesem Jahr startet der erste „Herzberg-Sing-Along“ mit Julia van Embers & The Mountain Voices, der den Trend zum gemeinschaftlichen Singen aufgreift. Lorz kann sich für die Zukunft auch mehr DJ-Sets vorstellen: „Ich habe den Verdacht, dass die jungen Leute nicht mehr so alle sieben Minuten klatschen müssen. Die haben ihr Gemeinschaftserlebnis auch, wenn ein DJ auflegt und sie da abtanzen.“
Awareness-Team und Wetterrisiko
Seit einiger Zeit sorgt ein Awareness-Team für ein respektvolles Miteinander – eine Idee, die auf Anregungen jüngerer Besucher zurückgeht. Das Wetter bleibt ein schwer kalkulierbarer Faktor: Von Dauerregen bis Hitze war schon alles dabei. Für die 35. Auflage nach der Wiederbelebung 1991 (30. Juli bis 2. August) wünscht sich Lorz angenehme Temperaturen knapp unter 30 Grad und einen kleinen Schauer zwischendurch. Trotz gestiegener Ausgaben für Technik, Infrastruktur und Gagen ist ein ausverkauftes Festival keine Selbstverständlichkeit mehr, betont Lorz.



