Florian Illies, der vielseitige Kulturschaffende, legt mit «Träume aus Feuer» ein neues Werk vor. Der Bestsellerautor, bekannt für «Generation Golf» und «1913», widmet sich diesmal dem Alchimisten Johannes Kunckel. In nur 120 Seiten zeichnet Illies den Aufstieg und Fall eines frühneuzeitlichen Unternehmers nach, der am Hof des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm in Potsdam wirkte.
Ein Start-up im Barock
Kunckel, der eigentlich Gold herstellen sollte, scheiterte daran, erfand jedoch rubinrotes und kobaltblaues Glas. Mit diesem Luxusprodukt sanierte er den maroden Haushalt des Kurfürsten und finanzierte dessen barocken Lebensstil. Illies vergleicht Kunckel mit Elon Musk: «Schon vor dem Tesla aus Grünheide kam aus Brandenburg ein Luxusprodukt für die Welt – Kunckels rubinrotes Glas.» Der Große Kurfürst erinnere an Donald Trump, denn im Weißen Haus sei alles golden wie einst im Barock.
Intrigen und Niedergang
Doch der schnelle Ruhm hatte Schattenseiten. Höflinge und die Kinder des Herrschers schmiedeten Intrigen gegen Kunckel. Nach dem Tod des Kurfürsten 1688 fiel er in Ungnade: Seine Werkstätten wurden niedergebrannt, er musste alle Vergünstigungen zurückzahlen. Illies endet mit dieser Katastrophe, erwähnt aber Kunckels späteres Comeback am Hof des Schwedenkönigs.
Eine Parabel für die Gegenwart
Für Illies ist das Buch eine Parabel über die Kraft des Träumens. «Der Kurfürst träumt vom Gold und bekommt Glas, das ihn reich macht.» Zugleich zeigt es, wie Brandenburg durch Kunckels Glas und die Aufnahme der Hugenotten den Dreißigjährigen Krieg überwand. Illies betont: «Mich fasziniert, in die Vergangenheit hineinzuspringen und sie als Gegenwart zu erzählen.» So wird deutlich, dass Menschen oft nicht erkennen, in Umbruchszeiten zu leben.
Das Buch erscheint im neu gegründeten Pfaueninsel Verlag, benannt nach dem Ort, an dem Kunckel einst wirkte. Die Präsentation fand auf der Pfaueninsel in Berlin statt, die heute ein Ausflugsziel ist.



