Die Berliner Band Klez.e, bekannt für ihren an The Cure erinnernden Sound, veröffentlicht ihr sechstes Studioalbum „Einmal mehr mit Dir gegen die Furcht“. Das Werk überrascht mit einer ungewohnten Zuversicht, die sich durch die Songs zieht.
Ein neuer Ort der Hoffnung
Vor einigen Jahren erwarben Tobias Siebert und seine Frau Annette Herrmann den alten Küsselhof an der deutsch-polnischen Grenze. Sie bauten ihn in Ferienwohnungen mit Festsaal und Studio um und tauften das Projekt „Baustelle of Love“. Hier fanden sie Abstand vom Großstadtleben und eine neue Gelassenheit, die nun in den Liedern des Albums mitschwingt.
Melancholie als treibende Kraft
Die Band, benannt nach einem Computerwurm der 2000er, gilt als die beste Band, die klingt wie The Cure, ohne The Cure zu sein. Ihr Album „Desintegration“ von 2017 war eine Hommage an den Cure-Klassiker und eine persönliche Reise durch die deutsche Geschichte. Die zwiespältige Stimmung jener Zeit hallt im neuen Stück „Im Herbst“ nach, wenn Siebert sarkastisch singt: „erschöpft von all dem Westglück“. Doch die Melancholie wird auf diesem Album nicht nur beklagt, sondern als süße Muse umarmt. Im Song „Melancholia“ beschwört die Band das nahende Ende eines Glücksmoments, aber mit einer neuen Energie.
Leichtigkeit und Trotz
Der Dream- und Goth-Pop von Sänger und Gitarrist Siebert, Bassist Daniel Moheit und Drummer Filip Pampuch wird heller. Synthesizer-Klänge durchdringen den Pathos in „Hymnus“ wie Sonnenstrahlen. Trotzige Lieder wie „Call It Love“ oder „Das eine Treffen im Jahr“ zeigen den Willen, sich von Ballast zu befreien. Im Song „Einer mehr im Zement“ klagt Siebert über festgefahrene Erwartungen und ruft „Hallo, hallo, hallo“ wie Kurt Cobain, der einen längst verlorenen Teen Spirit beschwört.
Euphorie und Resilienz
Besonders euphorisch wirkt Siebert in „La Boum“, das Erinnerungen an die gleichnamige Teenager-Komödie der 80er weckt. Hier besingt er die „Tresen-Resilienz“ in politisch schweren Zeiten: „Und jede Bad-News-Theorie / Zerrt, bricht an unserer Hedonie / Und wenn’s auch schlimmer kommt, halte durch“. Das Album zeigt, wie ein Sommernachmittag im Café oder an der Kneipe das Gemüt aufhellen kann. Aus der „Baustelle der Liebe“ wird eine „Baustelle der Hoffnung“, auf der man täglich neuen Mut findet. Klez.e präsentieren sich als Band, die man bislang nicht für solche – für ihre Verhältnisse – fröhlichen Songs gehalten hätte.



