Vor 100 Jahren, am 1. Juni 1926, erblickte in Los Angeles ein Mädchen das Licht der Welt, das später als Marilyn Monroe zur unvergesslichen Kino-Ikone aufsteigen sollte. Ihr Leben war kurz, aber von ungeheurer Intensität geprägt. Bis heute fasziniert der Mythos Monroe – und das nicht nur in Hollywood.
Ein Mythos, der nie verblasst
Schon zu Lebzeiten war Marilyn Monroe eine Legende. Nach ihrem Tod im Jahr 1962 wurde sie endgültig zum Symbol. Andy Warhols Porträt „Orange Marilyn“ aus dem Jahr 1964 erzielte 1998 bei Sotheby’s in New York stolze 17,3 Millionen US-Dollar. Auch heute, ein Jahrhundert nach ihrer Geburt, ist die Schauspielerin allgegenwärtig. Am historischen Chinese Theatre am Hollywood Boulevard, wo ihre Handabdrücke im Beton verewigt sind, versammeln sich Verehrer, um „Happy Birthday“ zu singen und 100 Rosen niederzulegen.
Die frühen Jahre: Norma Jeane Mortenson
Als Norma Jeane Mortenson wurde das Mädchen in eine schwierige Kindheit hineingeboren. Ihre Mutter Gladys Baker, die zum Zeitpunkt der Geburt mit Martin Edward Mortensen verheiratet war, hatte bereits eine bewegte Vergangenheit. Sie war als 14-Jährige mit dem gewalttätigen John Newton Baker verheiratet, mit dem sie zwei Kinder hatte, die nach der Scheidung vom Vater entführt wurden. Norma Jeane erfuhr erst mit zwölf Jahren von ihren Geschwistern. Gladys Baker, die als Cutterin bei den RKO Studios arbeitete, gab ihre Tochter in verschiedene Pflegefamilien und schließlich in ein Waisenhaus in Los Angeles. 1934 wurde bei der Mutter paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Den Geburtsnamen Monroe nutzte die spätere Schauspielerin für ihr Pseudonym.
Der Weg zum Ruhm
Mit 16 Jahren heiratete Norma Jeane ihren 21-jährigen Nachbarn Jim Dougherty. Als dieser zur Handelsmarine ging und in den Südpazifik versetzt wurde, suchte sie sich eine Arbeit am Fließband in einer Rüstungsfabrik. Ein Armee-Fotograf entdeckte sie dort und lichtete sie ab. Ihre Fotos wurden in zahlreichen Armee-Zeitschriften abgedruckt, was ihr den Weg zu einer Modelagentur ebnete. „Dann steckten sie mich in einen Badeanzug und ich war plötzlich gefragt“, wird Monroe später zitiert. Ihre Agentin überredete sie zudem, ihr braunes Haar zu blondieren, um mehr Aufträge zu bekommen.
1946 endete die Ehe mit Dougherty. Im selben Jahr unterschrieb Monroe einen Vertrag bei Twentieth Century Fox und änderte ihren Namen in Marilyn Monroe. Der Durchbruch als Schauspielerin ließ jedoch noch auf sich warten. Aus Geldnot ließ sie sich Ende der 1940er Jahre nackt fotografieren – für 50 Dollar. 1953 druckte der „Playboy“ eines dieser Bilder auf der Mittelseite seiner ersten Ausgabe; auf dem Titel war sie bekleidet zu sehen. „Ich habe nicht mal ein Dankeschön von denen bekommen“, klagte sie später.
Der Durchbruch und der Kampf um Anerkennung
Mit Howard Hawks’ Komödie „Blondinen bevorzugt“ und dem Film „Niagara“ (beide 1953) gelang Monroe endlich der Durchbruch. Der Song „Diamonds Are a Girl’s Best Friend“ und ihre Interpretation wurden vielfach zitiert – unter anderem von Madonna in ihrem Video zu „Material Girl“. Galt das Lied lange als glamouröse Hymne auf Materialismus, so wird es heute auch feministisch gedeutet: Es erzähle von weiblicher Abhängigkeit von Männern, aus der sich die Protagonistin lösen wollte, so Autorin Carol Woolton.
Monroe trat auch als Truppenunterhalterin für US-Soldaten in Südkorea auf. Schon früh bestand sie auf anspruchsvolleren Rollen und wollte nicht auf das naive Blondchen festgelegt werden. Ende 1954 gründete sie in New York die Firma Marilyn Monroe Productions – ein Akt der Selbstermächtigung, der damals ungewöhnlich war. Medienwissenschaftler Hektor Haarkötter, Autor des Buches „Marilyn Monroe liegt auf der Couch und spricht über Sex“, sieht sie daher als Vorbild für moderne Geschäftsfrauen.
Die berühmteste Szene und private Turbulenzen
Während der Dreharbeiten zu „Das verflixte 7. Jahr“ entstand die weltberühmte Szene, in der ein Luftschacht ihr weißes Kleid hochweht. Als PR-Gag angelegt, versammelten sich Menschenmassen. Ebenfalls 1954 heiratete Monroe Baseball-Star Joe DiMaggio. Dieser war über die freizügige Szene so erzürnt, dass er handgreiflich geworden sein soll, wie eine Friseurin in der Netflix-Dokumentation „Mysterium Marilyn Monroe“ berichtete. Nach neun Monaten ließ sich das Paar scheiden. Monroe zog nach New York.
Die Suche nach künstlerischer Tiefe
In New York arbeitete Monroe intensiv an ihrer Schauspielkunst. Sie besuchte Lee Strasbergs Actors Studio und wurde von dessen Frau Paula betreut. Sie wollte das Dummchen-Klischee hinter sich lassen. Privat heiratete sie den Dramatiker Arthur Miller und konvertierte für ihn zum Judentum. Die Ehe wurde von drei Fehlgeburten überschattet und endete 1961 mit der Scheidung.
Mit Tony Curtis spielte sie 1959 in „Manche mögen’s heiß“. Regisseur Billy Wilder empfand die Dreharbeiten als höllisch: „Früher kam sie am Donnerstag, wenn sie für Montag bestellt war. Jetzt kommt sie im Herbst, wenn im Frühjahr gedreht werden soll.“ Monroe kämpfte zunehmend mit Alkohol- und Tablettenmissbrauch.
Der letzte Auftritt und das rätselhafte Ende
Am 19. Mai 1962 sang Marilyn Monroe das berühmte Geburtstagsständchen für US-Präsident John F. Kennedy und sorgte für Empörung. Als Kim Kardashian 2022 Marilyns Kleid zur Met Gala trug, entbrannten erregte Debatten. In der Nacht vom 4. zum 5. August 1962 starb Monroe unerwartet in ihrem Haus in Brentwood, Kalifornien, im Alter von 36 Jahren. Bis heute hält sich die Theorie, sie sei ermordet worden – obwohl Ermittlungen 1982 zu dem Schluss kamen, dass sie sich mit einer Überdosis Schlaftabletten selbst das Leben nahm.
Marilyn Monroe bleibt unvergessen – als Schauspielerin, als Stilikone und als Symbol für die Widersprüche des Ruhms.



