Die Late-Night-Show „Inas Nacht“ in der ARD ist in ihr 19. Jahr gestartet. Wieder sind zwölf Folgen geplant, und der Auftakt mit Entertainerin Barbara Schöneberger und Sänger Campino zeigte, worin der anhaltende Erfolg der Show begründet ist: in der Kombination aus Singen und Sabbeln.
Gäste der aktuellen Ausgabe
Für die Ausgabe vom 23. Juli um 23:50 Uhr im Ersten sind der österreichische Schauspieler und aktuelle „Jedermann“-Darsteller in Salzburg, Philipp Hochmair, das britische Musiktrio FLO und der Kabarettist Dieter Nuhr als Gäste angekündigt.
Dieter Nuhr ist mit „Nuhr im Ersten“ in aller Munde, insbesondere seitdem er in der Show vom 18. Juni über Femizide und strukturelle Gewalt von Männern monologisierte. Dabei fiel der Satz: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“
Kritik und Reaktionen
Die breite Kritik, der verantwortliche Rundfunk Berlin-Brandenburg vermeldete die Rekordzahl von 325 Beschwerden, wies der 65-jährige Kabarettist zurück. „Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun“, schrieb er in einem Facebook-Beitrag.
Nun würde man als Zuschauer erwarten, dass Nuhr von Ina Müller in ihrer Sendung dazu befragt wird. Stattdessen wird der Kabarettist in dem Gespräch laut NDR von den Vorzügen eines getrennten ehelichen Haushalts berichten und „wie er gegen Beyoncé eindeutig den Kürzeren zog“. Außerdem soll es um seine wenig bekannte Arbeit als bildender Künstler gehen. Kein Wort über Femizide, nirgends.
Zeitliche Diskrepanz
Wie der NDR auf Tagesspiegel-Anfrage mitteilt, wurde die Folge von „Inas Nacht“ für den 23. Juli bereits am 30. April aufgezeichnet, Nuhrs verkrachte Femizid-Satire stammt aus seiner Sendung vom 18. Juni. „Die aktuelle Diskussion um Dieter Nuhrs Äußerungen findet deshalb keine Erwähnung.“ Ina Müller hätte Dieter Nuhr natürlich dazu befragt, da die Sendung aber bereits aufgezeichnet worden sei, sei dies nicht mehr möglich. „Darauf, dass die Folge bereits im April aufgezeichnet worden ist, wird mit zwei Einblendungen während der Ausstrahlung hingewiesen“, so der NDR weiter.
Blamage für wen?
Offensichtlich sah und sieht der Sender keinen anderen Weg als Augen-zu-und-durch. Stellt sich die Frage, wer durch dieses Vorgehen am meisten blamiert wird: der NDR, Ina Müller oder Dieter Nuhr? Der Zuschauer jedenfalls wird am Donnerstag bei „Inas Nacht“ eine Produktenttäuschung erleben.



