Dieter Nuhr weist Femizid-Witz-Vorwürfe zurück und nennt Kritik lächerlich
Nuhr weist Femizid-Witz-Vorwürfe zurück

Der Kabarettist Dieter Nuhr hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe sich in einer Sendung über Frauenmorde lustig gemacht. „Habe ich nicht“, schrieb Nuhr auf Facebook. „Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun“, so Nuhr. „Der Vorwurf ist lächerlich. Interneterregung wird zur Volksmeinung umgedeutet. So ist es üblich in diesen Tagen“, fügte er hinzu.

Auslöser der Debatte: Aussagen in der Sendung „Nuhr im Ersten XXL“

Nuhr, dem kürzlich vom Zentralrat der Juden in Deutschland der renommierte Leo-Baeck-Preis verliehen worden war, hatte die Debatte mit Äußerungen in der „Nuhr im Ersten XXL“-Sendung vom 18. Juni ausgelöst. „Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage“, hatte der Kabarettist darin gesagt. „Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“ Im Anschluss sagte Nuhr: „Vielleicht einfach mal fragen, ob er nebenberuflich als Frauenmörder tätig ist.“

Kritik in sozialen Medien und Nuhrs Rechtfertigung

Die Aussage wurde in den sozialen Medien vielfach als Täter-Opfer-Umkehr gedeutet. Der Kabarettist habe suggeriert, dass Frauen selbst schuld seien, wenn sie ermordet würden, so der Vorwurf. Ihm sei es um etwas ganz anderes gegangen, erklärte Nuhr in seinem Facebook-Beitrag. So habe er in seiner Sendung vor den umstrittenen Äußerungen zunächst „dümmliche“ Pauschalurteile gegen Männer und auch Frauen aufs Korn genommen, die wissenschaftlich verbrämt würden, so der Komiker. Auf Facebook schrieb Nuhr nun, ihm gehe es um das Wort „strukturell“, das allen Männern Schuld zuweise, weil sie „strukturell“ Täter seien. Er bezog sich nach eigenen Angaben auf mehrere Artikel in großen deutschen Zeitungen, in denen Frauen infrage gestellt hätten, noch mit Männern leben zu können, weil diese „statistisch töten“. Diese „völlig überzogene pauschale Verunglimpfung“ sei Thema seines Beitrages gewesen. „Ich habe betont, dass jeder Frauenmord selbstverständlich (!) einer zu viel ist, aber dass die Chance, bei der Partnerwahl auf einen Frauenmörder zu stoßen, verschwindend gering ist.“

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RBB nimmt Nuhr in Schutz

Der für die Sendung zuständige Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) nannte die Kritik an der Nuhr-Passage nachvollziehbar. In Satireformaten gelte es jedoch auch, die künstlerische Freiheit zu achten, teilte der rbb auf Anfrage mit. „Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren“, so die Rundfunkanstalt. „Es ist das Kerngeschäft von Satire, Dinge bewusst ins Gegenteil zu verkehren.“ Satire funktioniere durch Polarisierung und Zuspitzung. Über Geschmacksgrenzen lasse sich diskutieren und streiten – mit Blick auf den weiten Schutzbereich der Satirefreiheit sehe der rbb seinen Programmauftrag aber nicht verletzt. Nuhr war in den vergangenen Jahren wiederholt wegen verschiedener Beiträge kritisiert worden.

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