Am Londoner West End sorgte die Schauspielerin Rosamund Pike für Aufsehen, als sie nach einer Theateraufführung das Publikum für die Nutzung von Mobiltelefonen während des Stücks rügte. Der Vorhang war bereits gefallen, da trat die Darstellerin erneut vor die Zuschauer und kritisierte, dass jemand während der Vorstellung eine Nachricht getippt habe.
Ein Appell an die Aufmerksamkeit
In Suzie Millers Stück „Inter Alia“ spielt Pike im Wyndham’s Theatre eine Kronrichterin, Feministin und Mutter eines Sohnes, der der Vergewaltigung bezichtigt wird. Nach dem letzten Vorhang kam sie noch einmal auf die Bühne, um eine Botschaft zu übermitteln. „Theater ist eine große Sache“, sagte sie. „Ich versuche, Ihnen eine Geschichte zu erzählen, ich spüre Sie, und ich hoffe, Sie spüren mich auch.“ Dann fügte sie hinzu: „Jemand hat in diesem Block Textnachrichten geschrieben. Sie wissen, wer Sie sind, und ich werde Sie nicht bloßstellen.“
Verständnis für Notfälle
Die genervte Hauptdarstellerin räumte ein: „Vielleicht war es wichtig, und vielleicht sind Sie ein Arzt und haben jemandes Leben gerettet. Ich hoffe das jedenfalls.“ Doch sie betonte: „Aber wir sehen das, und wir spüren das.“ Ihre Aufgabe sei es, alle im Publikum zu fesseln, weshalb solche Störungen besonders schwer für sie seien. Für ihre Aussagen erhielt Pike Applaus, wie die „Times“ berichtete. Eine Stimme aus dem Publikum sagte: „Jemand beim Höhepunkt eines derart emotionalen Stückes eine SMS schreiben zu sehen, bricht die Verbindung zum Publikum.“
Weitere Bühnenstars kritisieren Handynutzung
In britischen Zeitungen werden weitere Schauspieler zitiert, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Lesley Manville kritisierte die Unsitte, Verbeugungen am Vorstellungsende zu filmen: „Klatscht oder klatscht nicht, aber haltet nicht einfach eure Handys vor unsere Gesichter.“ Cynthia Erivo unterbrach eine Londoner Vorstellung von „Dracula“ wegen eines Handyfilmers. Andrew Scott platzte der Kragen, als ein Zuschauer während des „Sein oder Nichtsein“-Monologs seinen Laptop herausholte, um E-Mails zu schreiben.
Premiere in Berlin
Am 4. Dezember soll „Inter Alia“ auch am Berliner Ensemble Premiere haben, in einer deutschen Textfassung von Anne Rabe. Vor Störungen sind Schauspieler auch hierzulande nicht gefeit. Ein Kritiker der „Süddeutschen Zeitung“ berichtete unlängst vom Berliner Theatertreffen: „Nur hoffnungslose Bildungsbürger würden sich darüber wundern, dass Sitznachbarn während einer Sterbeszene im Theater in aller Seelenruhe ihren SMS-Verkehr pflegen.“



