Shlomo Katz: „Als Shlomo Katz würde mir die Zeit knapp“
Shlomo Katz: „Als Shlomo Katz würde mir die Zeit knapp“

Der israelische Sänger und Songwriter Shlomo Katz hat eine neue EP veröffentlicht. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost verrät er, warum er sich als Künstler oft zwischen Tradition und Moderne bewegt und wie er die Musikindustrie heute erlebt.

Neue EP und musikalische Wurzeln

Shlomo Katz, bekannt für seine tiefgründigen Texte und melodischen Klänge, hat kürzlich seine neueste EP „Zeit“ herausgebracht. Die vier Titel umfassende Veröffentlichung beschäftigt sich mit Themen wie Vergänglichkeit, Identität und Spiritualität. Katz erklärt: „Die EP ist eine Reise durch meine Gedankenwelt. Jeder Song erzählt eine eigene Geschichte, die doch alle miteinander verbunden sind.“

Der 45-Jährige wuchs in einer religiösen Familie in Jerusalem auf und begann früh, Musik zu machen. Seine Werke sind stark von jüdischen Traditionen geprägt, aber auch von westlicher Pop- und Rockmusik beeinflusst. „Ich versuche, Brücken zu bauen zwischen dem Alten und dem Neuen“, sagt Katz. „Das ist nicht immer einfach, aber es ist meine Berufung.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Herausforderungen im Musikbusiness

Das Musikgeschäft hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Streaming-Dienste und soziale Medien dominieren, was für Künstler wie Katz Fluch und Segen zugleich ist. „Früher war es einfacher, sich auf die Musik zu konzentrieren. Heute muss man auch ein guter Vermarkter sein“, bedauert der Sänger. Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Musikindustrie verdienen 80 Prozent der Musiker in Deutschland weniger als 10.000 Euro pro Jahr mit ihrer Kunst.

Katz setzt daher verstärkt auf Live-Auftritte und direkte Interaktion mit seinem Publikum. „Die Bühne ist mein Zuhause. Dort kann ich meine Emotionen teilen und die Menschen berühren“, sagt er. Seine Tour führt ihn in den kommenden Monaten durch mehrere deutsche Städte, darunter Berlin, Hamburg und München.

Identität und Spiritualität

Ein zentrales Thema in Katz‘ Musik ist die Suche nach Identität. Als Israeli, der in Deutschland lebt und arbeitet, fühlt er sich oft zwischen zwei Welten. „Ich bin ein Wanderer zwischen den Kulturen. Das ist manchmal anstrengend, aber auch bereichernd“, erklärt er. Seine Lieder handeln von Heimat, Glauben und der Frage, was uns als Menschen verbindet.

Besonders am Herzen liegt ihm die Verbindung zum Judentum. In einem seiner neuen Songs greift er eine alte chassidische Melodie auf und interpretiert sie neu. „Die Tradition ist kein Museum, sie lebt und entwickelt sich weiter“, so Katz. „Ich möchte zeigen, dass jüdische Musik auch im 21. Jahrhundert relevant und kraftvoll sein kann.“

Zukunftspläne und persönliche Einblicke

Neben der EP arbeitet Shlomo Katz bereits an einem neuen Album, das voraussichtlich im nächsten Jahr erscheinen soll. „Ich bin immer in Bewegung, immer auf der Suche nach neuen Klängen und Geschichten“, verrät er. Privat genießt er die Zeit mit seiner Familie in Berlin, wo er seit fünf Jahren lebt. „Die Stadt inspiriert mich ungemein. Hier treffen so viele Kulturen und Menschen aufeinander, das ist eine unerschöpfliche Quelle für meine Musik.“

Auf die Frage, was er mit seiner Musik erreichen möchte, antwortet Katz nachdenklich: „Ich möchte Trost spenden, zum Nachdenken anregen und vielleicht ein kleines Stück dazu beitragen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Das klingt pathetisch, aber es ist mein Antrieb.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration