Venedig Filmfestival 2025: Programm ohne Hollywood-Stars
Venedig Filmfestival 2025: Programm ohne Hollywood

Das Programm der 82. Internationalen Filmfestspiele von Venedig steht. Festivalleiter Alberto Barbera verkündete am Donnerstagmittag die Auswahl, die einige Highlights bietet: ein Biopic über Rupert Murdoch, eine Dokumentation über Oasis, Filme mit Robert Pattinson und Javier Bardem sowie ein neuer Werner Herzog. Doch die großen Hollywood-Studios machen sich rar – ein Trend, der sich auch auf anderen Festivals fortsetzt.

Budgetloch und politische Randnotizen

Wenigstens muss Barbera nicht die Sorgen seines Vorgesetzten Pietrangelo Buttafuoco teilen, der kurzfristig ein zwei Millionen Euro großes Loch im Budget des Kunstfestivals kompensieren muss. Keine Beteiligung von russischen Filmen, meldete Barbera bei der Programmverkündung. Die Kritik der internationalen Kunstwelt und der Europäischen Union bleibt ihm damit erspart. Der einzige Russe im Programm, Ilja Chrschanowski, hat im vergangenen Jahr seinen Pass abgegeben. Er lebt inzwischen in Berlin, wo er vor sechs Jahren die umstrittene Kunstinstallation „Dau“ realisieren wollte – eine begehbare Simulation eines geheimen wissenschaftlichen Instituts aus der Stalin-Zeit. Der Berliner Senat erteilte letztlich keine Erlaubnis. Auf der Berlinale gewann 2020 der Kameramann Jürgen Jürges für „Dau. Natasha“ einen Silbernen Bären. In Venedig wird Chrschanowski den dritten seiner 14 Filme umfassenden Projekts vorstellen – im Anbetracht des Staraufgebots am Lido eine Randnotiz, aber mit politischem Nachhall.

Hollywood-Abstinenz: Ein wachsender Trend

Die große Frage nach der Pressekonferenz ist eine, die auch auf der Berlinale und in Cannes zuletzt immer lauter wurde: Wo ist Hollywood? Der Lido ist schon länger nicht mehr das Schaufenster für die Oscar-Saison, aber die internationale Presse verließ sich darauf, dass Barbera eine repräsentative Vorschau auf den Filmherbst zusammenstellt. Mit der Polit-Farce „Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh über zwei CIA-Agenten (John Malkovich und Sam Rockwell), die 1973 in den Pinochet-Putsch verwickelt werden, hat es nur eines der erwarteten Highlights in die Auswahl geschafft. Es fehlen sowohl Alejandro G. Iñárritus Tom-Cruise-Vehikel „Digger“ (mit Sandra Hüller) als auch Luca Guadagninos Biopic über den OpenAI-Gründer Sam Altman, das noch einen Verleih sucht. Der italienische Regisseur ist stattdessen mit einer siebenstündigen Doku über Bernardo Bertolucci vertreten.

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Stars trotzdem am Lido

Reichlich Stars werden Anfang September dennoch auffahren. Werner Herzog bringt für seinen „Bucking Fastard“ Kate und Rooney Mara mit an den Lido – nachdem Cannes ihm keinen Platz im Wettbewerb geben wollte. Javier Bardem und Penélope Cruz spielen ein Filmehepaar in Florian Zellers „Bunker“, Robert Pattinson ist als Investigativ-Journalist in dem Thriller „Primetime“ zu sehen, Casey Affleck zeigt seine Regiearbeit „Company“, ein Mystery-Gothic-Drama, und Ellen Burstyn, Taika Waititi und Pamela Anderson übernehmen die Hauptrollen in Kornél Mundruczós „Place to Be“. Burstyn und George Clooney werden in diesem Jahr mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Das internationale Autorenkino ist mit dem koreanischen Regisseur Lee Chang-dong, dem Japaner Hirokazu Kore-eda, Nanni Moretti und, als einziger Regisseurin, May El-Toukhy vertreten. Eröffnet wird das Festival am 2. September mit Danny Boyles „Ink“ über die Hochzeit des britischen Revolverblatts „Sun“ nach der Übernahme durch Rupert Murdoch (Guy Pearce) Ende der Sechzigerjahre. Soweit alles in Ordnung, zumindest auf dem Papier.

Auswirkungen auf die Filmkunst

Der Trend, dass die Major-Studios sich mit ihren großen Filmen zunehmend von den Festivals abwenden, setzt sich fort. Im Zeitalter hochsensibler sozialer Medien kann schlechte Festivalpresse den Tod eines Films an den Kinokassen vorwegnehmen. Regisseure wie Paul Thomas Anderson und Christopher Nolan kreieren längst ihre eigenen Events – sie haben keine Filmfestivals mehr nötig. Für die Filmkunst ist das vielleicht sogar eine gute Nachricht, wenn der Fokus wieder mehr auf die Filme und nicht nur auf die Vermarktung gelegt wird. Filmfestivals müssen sich allerdings überlegen, wie sie mit diesen neuen Begebenheiten umgehen werden. Der Liebesentzug durch Hollywood kann schon mal am Ego eines Festivalleiters kratzen.

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