Volksbühne wird zum Volksbad: Lilienthals Pläne für Neueröffnung
Volksbühne wird Volksbad: Lilienthals Neueröffnungspläne

Der Auftakt der neuen Intendanz an der Berliner Volksbühne fällt buchstäblich ins Wasser – und das mit voller Absicht. Am 7. August beginnt auf dem Rosa-Luxemburg-Platz die Badesaison: Die Volksbühne verwandelt sich in ein öffentliches Volksbad, für alle kostenlos zugänglich. Der designierte Intendant Matthias Lilienthal, selbst ein leidenschaftlicher Freibad-Besucher, hat lange mit den Behörden um diesen Coup gekämpft. Als Bademeister inszeniert er sich als großzügiger Gastgeber für die Stadt – und zugleich als Kritiker der maroden Berliner Infrastruktur.

Ein Freibad als künstlerischer Auftakt

Florentina Holzinger, die zum künstlerischen Beirat des Hauses gehört, bereitet für das Theaterschwimmen eine kleine Performance vor. Ihre Wasserspiele „Ophelia’s Got Talent“ und „A Year Without Summer“ bleiben ebenso im Repertoire wie Stücke von René Pollesch, Philippe Quesne und Christoph Marthaler. Holzinger, die erst in der übernächsten Spielzeit ein neues Werk an der Volksbühne produzieren wird, sieht das Haus als ihre Homebase. Das geplante Volksbad am Rosa-Luxemburg-Platz verspricht einzigartige Bilder und eine sommerliche Atmosphäre.

Kontinuität und Erneuerung im Ensemble

Lilienthal setzt auf Kontinuität: Kathrin Angerer, Sophie Rois, Sir Henry und Martin Wuttke bleiben dem Ensemble treu. Gleichzeitig bringt er frischen Wind. Auffällig ist die starke lokale Verankerung: Dies ist ein Theater für Berlin. Lilienthal, hier geboren und einst Gründer des Hebbel am Ufer, versteht Theater als qualifizierten Stadtraum. Die Volksbühne wird sich gleichermaßen lokal wie international positionieren.

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Eröffnungsreigen im Oktober

Vom 1. bis 3. Oktober startet die Spielzeit mit einem vielseitigen Programm. Rimini Protokoll eröffnet auf der großen Bühne mit „House of Hopes“, einer historischen Recherche zu den weltweiten Ereignissen während des Mauerfalls in Berlin. Danach folgt „Mononoke“ von der japanischen Autorin und Regisseurin Satoko Ichihara. Anta Recke bringt im Prater den Berlin-Roman „Perfection“ von Vincenzo Latronico auf die Bühne. Der Prater in der Kastanienallee, frisch restauriert und mit neuer Technik ausgestattet, wird wieder bespielt – unter anderem mit einer Inszenierung von Milan Peschel in Zusammenarbeit mit dem RambaZamba Theater.

Weitere Höhepunkte der Spielzeit

Am Rosa-Luxemburg-Platz inszeniert Lena Brasch einen jüngst entdeckten Text von Thomas Brasch unter dem Titel „Alles Glück der Welt“. Die brasilianischen Choreografen Wallace Ferreira und Davi Pontes widmen sich der Kunst der Selbstverteidigung. Aus Wien wird „Fräulein Else“ übernommen, eine beim Theatertreffen gefeierte Solovorstellung von Julia Riedler, inszeniert von Leonie Böhm. Böhm bereitet ebenso wie Christopher Rüping und die Choreografin Marlene Monteiro Freitas neue Stücke für die Volksbühne vor.

Eine liebevolle Umarmung mit Tritten

Bei der Pressekonferenz im Prater versprach Lilienthal der Stadt Berlin eine „liebevolle Umarmung“. Doch wie man ihn kennt, wird es auch den einen oder anderen Tritt in den Hintern geben. Nach der Spielplan-Präsentation gab es Pommes frites für alle, von Konnopke herbeigeschafft – berlinischer geht es nicht. Pommes gehören zum Freibad wie Lilienthal zur Volksbühne, wo er bis 1998 als Chefdramaturg unter Frank Castorf wirkte. „Es ist gut, dass er wieder da ist, in diesen fiesen Zeiten“, kommentierte ein Beobachter. Lilienthal selbst sagt: „Wir werden das eine oder andere auch an die Wand fahren.“

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