Wim Wenders hat den Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie erhalten. Seine Dankesrede beim Deutschen Filmpreis sorgt jedoch weiterhin für Diskussionen in der Schauspielbranche. Der 80-jährige Regisseur thematisierte in seiner Rede die umstrittene Szene aus seinem Film „Falsche Bewegung“ von 1974, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist.
Kinskis Forderung nach Entfernung der Szene
Nastassja Kinski, heute 65 Jahre alt, hatte kurz vor der Preisverleihung in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gefordert, diese Szene aus dem Film zu entfernen. „Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war“, sagte Kinski. Sie kämpft bereits seit Jahren gegen die Szene, in der sie als junges Mädchen halbnackt und nur in Unterhose zu sehen ist. Ihr damaliger Filmpartner Rüdiger Vogler, damals 30 Jahre alt, legt sich auf sie, schlägt sie ins Gesicht und streichelt sie anschließend. Die Szene ist insgesamt zwei Minuten lang.
Wenders‘ Stellungnahme und Reaktionen
Wenders hatte bereits 2024 Verständnis für Kinskis „heutige Wahrnehmungen und Gefühle“ geäußert und gesagt, er würde die Szene heute nicht mehr so drehen. Dennoch kam er ihrer Forderung nach Kürzung nicht nach. In seiner Dankesrede beim Deutschen Filmpreis bat er das Publikum um Mithilfe bei der Frage, wie man mit Filmerbe umgehen solle. „Wie geht man mit Filmerbe um?“, fragte er. Er fühle sich mit diesen Fragen allein und ratlos. Eine Entschuldigung oder Ankündigung, die Szene zu kürzen, blieb aus.
Kritik von Schauspielkollegen
Viele Schauspielerinnen und Schauspieler äußerten sich in sozialen Medien kritisch. Rosalie Thomass schrieb: „Es ist zum Schämen. Wie er ernsthaft seine Kunst über die Grenzen von ihr stellt, immer noch, und dann noch von einer moralischen Frage spricht.“ Karoline Herfurth träumte von einer anderen Rede: „Es wäre so groß gewesen, wenn ein so großer Mann einmal öffentlich gesagt hätte: Ich habe einen Fehler gemacht.“ Clemens Schick kritisierte, dass Wenders überhaupt den Preis erhalten habe – „nach Jahren von me too“. Er warf dem Regisseur vor, es gehe ihm nur um seinen eigenen Schutz.
Versöhnliche Töne von Lavinia Wilson
Lavinia Wilson zeigte sich versöhnlicher: „Ich bin ehrlich gesagt erleichtert gewesen, dass Wim Wenders jetzt endlich darüber sprechen will.“ Sie wünsche sich eine ausführliche Diskussion, betonte aber, dass die Szene vorerst aus den Streams hätte entfernt werden müssen.
Branchendialog gefordert
Wenders selbst sucht einen Branchendialog zur Kürzung der umstrittenen Szene. Er betonte, es gehe um einen Präzedenzfall, der die gesamte Branche betreffe. Würde er den Film kürzen, sei das bei allen anderen Filmen später auch möglich. Die Debatte um den Umgang mit problematischen Filmszenen aus der Vergangenheit ist damit neu entfacht.



