Der Pianist Igor Levit und der Rapper Daniel Pongratz, bekannt als Danger Dan, werfen dem ZDF einen „autoritären Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit“ vor. In einem gemeinsamen Statement auf sozialen Medien berichten die Musiker, dass sie kurzfristig aus der Satire-Sendung „Die Anstalt“ ausgeladen wurden. Geplant war ein Auftritt in der 100. Ausgabe der Show, die am kommenden Dienstag ausgestrahlt wird. Sie wollten dort das „antifaschistische Lied“ mit dem Titel „Keine Angst“ performen.
ZDF begründet Ausladung mit möglichem Gewaltaufruf
„Ganz kurz vor der Aufzeichnung hat allerdings die ZDF-Intendanz ihr Veto gegen unseren Auftritt eingelegt. Eine offizielle schriftliche Begründung für unsere Ausladung haben wir leider bislang nicht erhalten“, schreiben die Künstler. Sie vermuten einen „politischen Hintergrund“. Der Sender veröffentlichte hingegen eine Stellungnahme, in der es heißt, der Text des Liedes könne „als Aufruf zu Gewalt verstanden werden“. „Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF. Im Zuge der Sendungsvorbereitung ergab die intensive redaktionelle Bewertung, in die auch die Geschäftsleitung des ZDF involviert war, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht aufzulösen war. Vor diesem Hintergrund hat sich das ZDF dazu entschieden, sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten.“
Laut Levit und Pongratz lag dem ZDF der Songtext bereits seit Wochen vor. Die Kurzfristigkeit der Absage wirft daher Fragen auf. Die beiden Musiker betonen, dass ihnen bewusst war, dass ihr Auftritt Debatten auslösen könnte, dies gehöre jedoch in einer Demokratie dazu. „Dass wir jetzt aber schon an dem Punkt angekommen sind, an dem eine ZDF-Intendanz autoritär in Sendungen eingreift, antifaschistisches Liedgut verbietet und eine Begründung verweigert, das erschüttert uns und das nennt man nicht Demokratie, das ist ein autoritärer Akt“, so die Künstler.
Bereits dritter Konflikt zwischen ZDF und den Musikern
Es ist nicht das erste Mal, dass Levit und Pongratz mit dem Sender in Konflikt geraten. Bereits 2021 gab es hinter den Kulissen von Jan Böhmermanns Sendung „ZDF Magazin Royale“ Diskussionen um einen Auftritt. Damals performten sie Danger Dans Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, der sich kritisch mit der AfD sowie den Grenzen der Meinungsäußerung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auseinandersetzte. Der heutige ZDF-Intendant Norbert Himmler war damals Programmdirektor.
Ein Jahr später hielt Danger Dan die Laudatio auf Levit, der in Berlin mit dem Preis Opus Klassik ausgezeichnet wurde, und schloss seine Rede mit den Worten: „Abschließen möchte ich diese Laudatio, einfach um Igor eine Freude zu machen, mit einer Nachricht an alle Antisemiten, Rassisten, Antifeministen und AfD-Sympathisanten vor den Fernsehgeräten: Ihr seid Vollidioten. Guten Abend.“ Das ZDF kürzte später in der Mediathek die „AfD-Sympathisanten“ heraus, nahm sie nach öffentlichem Protest jedoch wieder rein. Der Sender kommunizierte später, bei dem Schnitt habe es sich um einen „Fehler unter Zeitdruck“ gehandelt.
Künstler kündigen eigenen Auftritt und Songveröffentlichung an
Levit und Danger Dan haben nun einen Auftritt am kommenden Dienstag in Berlin angekündigt. Den Song „Keine Angst“ wollen sie in der Nacht zu Freitag veröffentlichen. Der Fall wirft erneut die Frage nach der Grenze der Kunstfreiheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf und zeigt die angespannte Beziehung zwischen den Künstlern und dem ZDF.



