Carl Gustaf und Silvia: 50 Jahre Ehe – „Man kennt und mag einander“
Carl Gustaf & Silvia: 50 Jahre Ehe – „Man kennt einander“

Die idyllische Kulisse auf der schwedischen Insel Öland passt perfekt zum Anlass: König Carl Gustaf und Königin Silvia schlendern durch den Schlosspark Solliden, begleitet von Kameras. Sie haben sich zu einem Interview mit dem Sender SVT bereit erklärt, um über 50 Jahre Ehe zu sprechen. Am 19. Juni feiert das Paar goldene Hochzeit. Bereits am Samstag, den 13. Juni, wird in Stockholm groß gefeiert: Ein Straßenfest für das Volk, mit Konzert und Parade, stimmt auf das Jubiläum ein.

Ein halbes Jahrhundert voller Höhen und Tiefen

Fünfzig Jahre, drei Kinder, neun Enkelkinder. Das Gefühl, sagt Carl Gustaf, sei heute dasselbe wie damals: „Es hat Klick gemacht. Und seitdem macht es immer wieder Klick.“ Angesichts der zahlreichen Skandalgerüchte um das Königspaar in den vergangenen Jahrzehnten war dies auch nötig.

Die erste Begegnung in München

Kennengelernt haben sich die beiden bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München. Silvia, gebürtige Heidelbergerin mit brasilianischen Wurzeln, arbeitete damals als Hostess. Nur wenige Tage später brachte der damalige Kronprinz die neue Bekanntschaft zu einem Familienessen mit. „Es war etwas gewagt von mir“, räumt Carl Gustaf ein. Seine Schwester Birgitta und sein Schwager Johann Georg Prinz von Hohenzollern waren dabei. „Es wurde ein sehr ausgelassenes, nettes Abendessen. Aber ich war ein bisschen besorgt: Wie würde sie mit meiner Familie umgehen? Es war ein Test.“ Silvia lächelt. Auf die Frage, wie sie das Abendessen empfunden habe, sagt die heute 82-Jährige: „Natürlich haben sie mich getestet. Das habe ich verstanden. Aber ich habe sie auch getestet. Ich wollte mir ein Bild von ihnen machen.“ Und zum Glück: „Sie waren sehr herzlich.“

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Staatsbesuche und besondere Erinnerungen

Über 150 Staatsbesuche haben die beiden im Laufe der Jahrzehnte absolviert. Manche sind unvergesslicher als andere. Während eines Besuchs in der Sowjetunion 1978 wurden sie von Generalsekretär Breschnew empfangen. „Er fragte, ob wir seine Goldfische sehen wollten“, erinnert sich Silvia. Sechs Goldfische. Sie bewunderte sie pflichtbewusst: „Sehr schön.“ Daraufhin wünschte Breschnew eine gute Nacht und ließ das verwunderte Königspaar zurück. Es war erst neun Uhr abends. „Also fuhren wir mit der U-Bahn durch Moskau nach Hause“, sagt Silvia. „Es waren nur wenige Stationen, aber das war ein bisschen ungewöhnlich. Man ist bei einem wichtigen Dinner und nimmt dann die U-Bahn nach Hause“, ergänzt Carl Gustaf.

Die Herausforderungen der königlichen Rolle

Im Mittelpunkt aller Erzählungen steht das Thema Familie. Die doppelte Rolle als Königin und Mutter war für Silvia nicht immer leicht. „Ich muss sagen, als die Kinder klein waren, war es manchmal sehr schwierig. Es gab viele lange, eng getaktete Reisen mit vielen Terminen“, sagt Silvia. Während einer Reise nach China erkrankte ihr Sohn Carl Philip in Stockholm. Am Telefon habe er nur nach seiner Mutter gefragt. „Diese Situationen sind als Mutter schwer, aber es gibt viele andere Mütter, die ähnliche Situationen erleben“, sagt Silvia.

Die Sicht der Kinder

Allzu übel scheinen die Kinder der Mutter die häufigen Reisen nicht genommen zu haben. Die älteste Tochter, Prinzessin Victoria, hatte kürzlich in einem Fernsehinterview mit den Tränen kämpfen müssen. Sie bewunderte die Hingabe ihrer Mutter, sich der neuen Rolle als Königin anzunehmen – ganz ohne Aufwärmphase: „Auf welche Art und Weise sie Papas Berufung zu ihrer eigenen gemacht hat, berührt mich sehr. Das ist keine leichte Aufgabe, die sie seit 50 Jahren trägt und erfüllt. Und das so außergewöhnlich gut.“

Die Stärken des anderen

Was sieht das Königspaar als größte Stärke des anderen? Silvia hält kurz inne. Carl Gustaf lacht schon. „Darf ich persönlich werden?“, fragt sie ihn. „Nein“, sagt er und lacht wieder. Silvias Antwort fällt diplomatisch aus. Der König sei ehrlich, sagt sie. Offen. „Ich vertraue ihm.“ Er habe Humor – „das ist auch wichtig“. Er sei klug im Umgang mit Momenten, in denen es keine einfachen Antworten gibt. „Besonders, wenn es um politische Fragen geht. Das ist eine Balance.“ Er respektiere, was die Regierung entschieden habe – und halte diese Balance feinfühlig. „Das finde ich bewundernswert.“

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Affären-Gerüchte und Stärken

Fast könnte man vergessen, dass ihre Ehe während ihres 50-jährigen Bestehens auch auf wackligen Beinen stand. Ein Enthüllungsbuch namens „Der widerwillige Monarch“ machte 2010 öffentlich, dass Carl Gustaf Mitte der 1990er-Jahre eine Affäre mit Camilla Henemark gehabt haben soll, Sängerin der Band Army of Lovers – eine Liaison, die etwa ein Jahr gedauert haben soll. Dazu kamen Berichte über Besuche in Stockholmer Nachtclubs. Schweden war erschüttert. Silvia verlor nie ein öffentliches Wort zu den Gerüchten, die nie bestätigt werden konnten.

Auf die Frage nach Silvias größter Stärke bleibt Carl Gustaf sachlich. Die Königin sei sehr genau, sagt er. Sie liebe Listen. Halte Ordnung. „Das ist wohl ihre deutsche Seite.“ Und die lateinamerikanische Seite sei sehr warmherzig. „Sie denkt an alle. Will allen helfen. Das nimmt viel Kraft und Zeit.“ Aber manchmal müsse man vielleicht auch an sich selbst denken. Neue Kraft tanken. „Denn wenn man keine Zeit findet, sich auszuruhen, kann man anderen nicht auf die richtige Weise helfen.“ Ist das ein Ratschlag? Er lächelt: „Ich versuche es seit fünfzig Jahren.“

Ein Resümee nach 50 Jahren

Schwächen will das Paar aneinander keine nennen. Silvia schüttelt lächelnd den Kopf. „Nein“, sagt sie einfach. „Das ganze Leben ist eine Herausforderung“, sagt Carl Gustaf. „Man weiß nie, was um die nächste Ecke kommt. Man muss auf das meiste gefasst sein.“ Die Königin beendet das Gespräch mit einem Resümee, das vielen langjährigen Paaren aus der Seele spricht: „50 Jahre und es fühlt sich genauso an, wie am Anfang. Man kennt einander und mag einander. Wir sind uns treu geblieben“, sagt sie. Eine kurze Pause. „Das haben wir doch gut gemacht, oder?“