Prozessauftakt in Essen: 18-jähriger IS-Anhänger angeklagt
Ein 18-jähriger Schüler, der sich eigenen Angaben zufolge im Kinderzimmer radikalisiert haben soll, steht ab sofort vor Gericht. Die Anklage lautet auf dreifachen versuchten Mord. Der junge Mann, Erjon S., soll im Namen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Essen drei Menschen mit einem Messer lebensgefährlich verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, weitere Opfer gesucht zu haben, um als „Märtyrer“ zu sterben.
Der Angriffstag im Detail
Laut Anklage griff Erjon S. am Tattag wahllos Passanten an. Die drei Opfer schwebten zeitweise in Lebensgefahr. Ermittler rekonstruierten den Tathergang Minute für Minute. Demnach handelte der Teenager planvoll und zielgerichtet. Er soll sich zuvor im Internet radikalisiert und Kontakt zu IS-Anhängern gesucht haben.
Radikalisierung im Kinderzimmer
Die Radikalisierung des damals 17-Jährigen erfolgte nach Erkenntnissen der Behörden in seinem Kinderzimmer. Über soziale Medien und verschlüsselte Messenger-Dienste konsumierte er IS-Propaganda und nahm Kontakt zu Gleichgesinnten auf. Sein Umfeld bemerkte die Veränderung nicht rechtzeitig. Die Ermittler betonen, dass solche Fälle von Alleinradikalisierung zunehmen.
Einschätzung der Staatsschützer
Die Staatsschutzabteilung der Polizei Essen bewertet den Fall als besonders schwerwiegend. Der 18-Jährige sei bereit gewesen, für seine Überzeugungen zu sterben. Das Gericht muss nun klären, ob die Tat als versuchter Mord zu werten ist und ob eine Schuldunfähigkeit vorliegt. Der Prozess ist auf mehrere Tage angesetzt.



