Die Nachfrage nach mobilen Klimageräten in Deutschland hat infolge der Hitzewelle und eines Junis mit etlichen Temperaturrekorden einen massiven Schub erhalten. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens NIQ wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 387.100 solcher Geräte verkauft – das waren 219.000 Stück beziehungsweise 130 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Besonders stark fiel der Anstieg im Mai aus: Damals wurden rund 79.700 mobile Klimageräte gekauft, etwa 56.100 mehr als im Mai 2025. Das entspricht einem Plus von 238 Prozent. Im Juni steigerte sich die Zahl der verkauften Geräte um 159.100 auf rund 290.200, ein Zuwachs von 121 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Laut NIQ handelt es sich sowohl für den Juni als auch für das gesamte erste Halbjahr um die höchsten gemessenen Werte seit Anfang 2023. Ältere Vergleichsdaten liegen dem Unternehmen den Angaben zufolge nicht vor.
Gerätetypen und Preise im Überblick
In den erfassten Zahlen sind zwei Gerätetypen enthalten: rein mobile Klimageräte, die warme Luft über einen Abluftschlauch nach draußen führen, sowie tragbare Split-Anlagen mit einer Innen- und einer Außeneinheit. Klassische, fest installierte Split-Klimaanlagen wurden in der Auswertung nicht berücksichtigt.
Die Preisunterschiede zwischen den beiden Kategorien sind erheblich. Einfache mobile Geräte gibt es bereits ab etwa 200 Euro, leistungsstärkere Split-Varianten kosten meist deutlich mehr. Im Juni 2026 lag der durchschnittliche Verkaufspreis der erfassten Geräte laut NIQ bei rund 354 Euro – ein Jahr zuvor waren es 342 Euro. Trotz der hohen Nachfrage blieben die Preise damit weitgehend stabil; eine breite Preisspanne dürfte die Konsumfreude zusätzlich befeuert haben.
Vorteile und Grenzen mobiler Klimageräte
Laut Julia Kalkowski, Expertin für technische Konsumgüter bei NIQ, überzeugen mobile Klimageräte vor allem durch ihre einfache Handhabung. Sie seien schnell verfügbar, benötigten keine feste Installation und seien mit geringen Anschaffungskosten verbunden. Nachteile sieht Kalkowski allerdings bei Effizienz und Komfort. Gerade bei extremen Temperaturen stoßen die Geräte an ihre Grenzen, weil sie die warme Luft über einen Schlauch nach draußen befördern und dadurch Kühlleistung einbüßen.
Die oft leistungsstärkeren mobilen Split-Geräte gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. Auf sie entfielen im ersten Halbjahr 2026 bereits 16,5 Prozent des Absatzes. Anders als fest installierte Anlagen müssen mobile Split-Geräte nicht von Fachbetrieben montiert werden, da keine kältemittelführenden Leitungen verbunden werden müssen. Damit bieten sie eine vergleichsweise unkomplizierte Lösung für Mieter und alle, die keine dauerhafte Installation wünschen. Allerdings ist auch bei ihnen ein Fenster oder eine Tür für den Abluftschlauch notwendig, was die Einsatzmöglichkeiten in manchen Wohnungen einschränkt.
Handel meldet vielerorts ausverkaufte Ware
Die hohe Nachfrage zeigt auch im Handel Wirkung. Eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter mehreren Handelsketten hatte kürzlich ergeben, dass mobile Klimageräte in vielen Regionen vergriffen sind. Wer in den kommenden Tagen noch ein Gerät ergattern möchte, muss demnach unter Umständen mehrere Filialen oder Online-Händler vergleichen und längere Lieferzeiten in Kauf nehmen. Insbesondere in Großstädten ist das Angebot knapp, während ländliche Gebiete teils noch Kapazitäten haben.
Klimawandel dürfte den Trend verstärken
Der Absatzboom ist eine direkte Folge der anhaltenden Hitzewellen. Bereits der Juni 2026 hatte in Deutschland zahlreiche Rekordwerte gebracht, was die Nachfrage nach Kühlung spürbar ankurbelte. Fachleute rechnen damit, dass sich dieser Trend angesichts des Klimawandels weiter verstärkt. Auch wenn mobile Klimageräte weniger effizient sind als fest installierte Anlagen, bieten sie vielen Haushalten eine flexible Möglichkeit, die Sommerhitze zumindest in einzelnen Räumen erträglicher zu machen.
Der Markt reagiert derweil mit einem wachsenden Angebot. Immer mehr Hersteller bringen Modelle mit höherer Energieeffizienz und leiserem Betrieb auf den Markt. Zudem bieten viele Händler Serviceleistungen wie Lieferung und Einrichtung an, um den Einstieg zu erleichtern. Ob sich die Preise auf dem aktuellen Niveau stabilisieren lassen, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der Sommertemperaturen ab. Klar ist: Die Klimaanlage hat in deutschen Haushalten längst einen festen Platz erobert.



