Leserbriefe: AfD-Vorsprung, CSD-Anschlag und Investor in der Kritik
Leserbriefe: AfD-Vorsprung, CSD-Anschlag, Investor-Kritik

„Warum immer nur meckern, meckern, meckern und negativ denken! Und genau diese Sippenhaft hat aus uns Deutschen das gemacht, was wir heute sind. Ein Volk von jammernden Gestalten.“ Mit diesen Worten wendet sich Muhammad Ali Al-Badry in einem Facebook-Kommentar an die Redaktion. Er verteidigt die Arbeit der Bundesregierung: „Die Bundesregierung leistet hervorragende Arbeit und die Ministerien sind ausgezeichnet besetzt.“ Es seien die Mutigen, die aus der Krise führen, so Al-Badry.

AfD-Umfrage: Wut auf die „Altparteien“

Sven Lange sieht den Grund für den AfD-Erfolg hingegen in der täglichen Wahlwerbung durch die „Buntparteien“, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die „etablierten“ Medien. „Bei der täglichen Wahlwerbung durch die Buntparteien, den ÖRR und die ‚etablierten‘ Medien ist das auch nicht verwunderlich“, schreibt Lange auf Facebook. Immer mehr Menschen erkannten, wo die Probleme herkämen.

Noch deutlicher wird Marcel-Fadi Hüttenrauch. Er macht die „Altparteien“ für den Zustand der Hauptstadt verantwortlich. „Die Altparteien haben Berlin seit Dekaden zur Lachnummer in der Welt gemacht“, erklärt er. Als Beispiele nennt er gefährliche Schulen, Verbrechen, die Infrastruktur, den Flughafen und den Zaun am Görlitzer Park. Er fragt provokant: „Wäre das eure Hausverwaltung, würdet ihr sie wieder wählen?“ Damit steht für ihn fest, wohin die Entwicklung führt.

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Nach dem CSD-Anschlag: Debatte über Religion und Migration

Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) melden sich ebenfalls viele Leserinnen und Leser zu Wort. Simone Wille, die in Westberlin aufgewachsen ist, wendet sich in einer E-Mail an die Redaktion und stellt die Frage: „Kann jemand von euch Herrn Pantisano erklären, dass ein Islamist kein Rechter ist?“ Sie betont, sie sei Ü50, im jüdischen Turn- und Sportverein TuS Makkabi und beim Berliner Fußballverein Tennis Borussia (TEBE) groß geworden. Sie kenne viele Juden und habe etliche schwule Freunde. „Haben wir hier ein Rechtsproblem in Westberlin? Eher nein!“, so Wille. Allerdings gebe es ein juden-, queer-, schwulen- und lesbenfeindliches Gebiet seit mehr als zehn Jahren – „weil hier Menschen hergekommen sind, die durch die Kultur, ihr Weltbild und ihre Religion dieses nicht anerkennen“. Mit beißender Ironie sagt sie: „Herzlichen Glückwunsch an solche Leute wie euch – nur dadurch kommt es, dass die bekloppte AfD in wohl zwei Ländern jetzt direkt gewinnt.“

Heinz Weweler argumentiert in einer weiteren E-Mail ähnlich grundsätzlich. „Es geht nicht um Gesetze, von denen man glaubt, sie verhindern Straftaten von Menschen aus fremden Ländern, sondern es geht um deren religiöse Denkweise und deren Mentalität!“ Er nennt Religion eine „der ekelhaftesten Drogen“. Die deutsche Politik habe „Millionen über Millionen von Menschen ins Land geholt bzw. unter Kontrollverlust gelassen“, deren Mentalität entsprechend geprägt sei. Er stellt die rhetorische Frage, was geschehen würde, wenn Deutsche in Länder mit muslimisch geprägter Kultur einwanderten und nicht „spurten“.

Investor-Kritik: Spekulation statt Wohnungsbau

Auch das Interview mit dem Multi-Investor Maximilian Jäger unter dem Titel „Berlin muss aufwachen“ hat für Diskussionen gesorgt. Kaspar Metzkow meldet sich per LinkedIn zu Wort. Er verweist darauf, dass Jäger laut North Data Geschäftsführer der Wünschenswert Real Estate GmbH ist, die Häuser unter anderem in Sachsen erwirbt. Der Kauf in sogenannten C-Märkten und das Spekulieren auf steigende Preise seien ein Geschäftsmodell, das auf den ersten Blick keine Opfer kenne. Nach dem Verkauf müsse jedoch der Käufer sein Investment inklusive des im Preis enthaltenen Spekulationsgewinns refinanzieren. Die Folge: steigende Mieten, Abverkauf als Eigentumswohnung mit Eigenbedarfskündigung. „Dieses Bild fügt sich auch in das von Herrn Jäger beschriebene Grundprinzip: Aufbau, Skalierung und Exit“, schreibt Metzkow. Gewinne basierten in diesem Modell auf Zukunftsversprechen. „Man verkauft ein Produkt mit dem Versprechen, dass sich damit in Zukunft viel Geld machen lässt.“ „Aufbau“ bedeute jedoch keinen Neubau. Die Investition schaffe keinen neuen Wohnraum, sondern beteilige sich an spekulativen Verkaufsketten und treibe ohne Mehrwert für die Mietenden die Preise hoch.

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Nicht zufällig falle Herrn Jäger der Neubau erst dort ein, wo er mit einem gänzlich anderen Geschäftsmodell, nämlich der Genossenschaft, konfrontiert werde, so Metzkow weiter. Die Rechnung „mehr Angebot, niedrigere Preise“ funktioniere am Wohnungsmarkt nicht, weil sich Wohnungen nicht wie andere Waren verhielten. Ein Konsumstreik sei unmöglich, die Nachproduktion dauere Jahre und sei über den Boden begrenzt. Der Wechsel zu einem anderen Produkt sei mit extremen Kosten verbunden, und ein Überangebot an einem Ort könne nicht an einen anderen verlegt werden.

Metzkow verweist auf Zahlen: „2024 gab es noch ca. 300.000 Wohnungen unter 6 Euro pro Quadratmeter kalt, 2026 waren es unter 135.000. Der gesamte Wohnungsneubau summiert sich in diesen zwei Jahren auf etwa 30.000 Wohnungen, davon nur ein kleiner Teil gefördert.“ Seine Schlussfolgerung: Die größte Ressource für bezahlbaren Wohnraum seien die bereits leistbaren Wohnungen, die jedoch rasant verloren gingen.