Der europäische Fußballverband Uefa hat sich geschlossen gegen die Pläne von Fifa-Präsident Gianni Infantino gestellt, Anteile an künftigen Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. Auf einer Dringlichkeitssitzung am Donnerstag stimmten alle 55 Uefa-Mitgliedsverbände einstimmig für einen Boykott aller Turniere des Weltverbands, sollte Infantino das Vorhaben tatsächlich umsetzen. Das berichten die britische BBC und die „Times“ übereinstimmend. Ein offizielles Statement der Uefa lag zunächst nicht vor.
Hintergrund des Konflikts
Infantino hatte zuletzt mehrfach angedeutet, dass die Fifa erwäge, einen Teil der kommerziellen Rechte an der WM an externe Investoren zu verkaufen, um die Einnahmen zu steigern. Konkret geht es um die Vermarktung von Sponsoring- und Übertragungsrechten für die Turniere 2030 und 2034, die unter anderem in Saudi-Arabien und einer Marokko-Spanien-Portugal-Koalition stattfinden sollen. Die Uefa befürchtet eine Entwertung des Wettbewerbs und einen unkontrollierten Einfluss privater Geldgeber auf den Fußball.
Bereits in der Vergangenheit gab es Spannungen zwischen den Verbänden. Die Uefa kritisierte wiederholt die Aufstockung der WM auf 48 Teams und die Vergabe an umstrittene Gastgeber wie Katar. Infantino wiederum wirft der Uefa vor, die Interessen der großen europäischen Ligen über die des globalen Fußballs zu stellen.
Reaktionen und mögliche Folgen
Die Entscheidung der Uefa ist ein schwerer Schlag für Infantino, der auf die Unterstützung der mächtigen Europäer angewiesen ist. Ein WM-Boykott durch die europäischen Top-Nationen wäre beispiellos und würde das Turnier massiv beschädigen. „Die Uefa hat klargemacht, dass sie nicht bereit ist, die Integrität der WM zu opfern“, zitierte die BBC einen nicht genannten Verbandsfunktionär. Offizielle Stellungnahmen der Fifa lagen zunächst nicht vor.
Experten rechnen mit einer Eskalation des Konflikts. Sollte die Fifa unbeirrt an den Investorenplänen festhalten, droht ein jahrelanger Rechtsstreit. Auch die Club-Weltmeisterschaft, die die Fifa neu aufstellen will, könnte in den Sog geraten. Die Uefa hat bereits angedroht, ihre Mitgliedsvereine von einer Teilnahme abzuhalten.
Auswirkungen auf den Fußball
Ein Boykott hätte weitreichende Konsequenzen: WM-Spiele ohne europäische Mannschaften wären sportlich und wirtschaftlich deutlich weniger attraktiv. Die TV-Rechte würden an Wert verlieren, Sponsoren könnten abspringen. Die Uefa selbst veranstaltet mit der Europameisterschaft ein lukratives Alternativturnier. „Die Europäer haben die stärksten Ligen und die meisten Zuschauer. Ohne sie ist eine WM kaum denkbar“, sagte ein Sportökonom der Deutschen Presse-Agentur.
Die Entscheidung fiel auf einer eigens einberufenen Sitzung, die ursprünglich den Themen Terminkalender und Spielerbelastung gewidmet war. Angesichts der Dringlichkeit des Fifa-Vorstoßes wurde sie kurzfristig umgewidmet. Die Uefa will nun weitere Schritte mit den nationalen Verbänden abstimmen.



