Nach dem tödlichen Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist der mutmaßliche Täter Abdul Ballout (21) zunächst untergetaucht. Doch die Polizei erhielt offenbar entscheidende Hilfe aus seinem eigenen familiären Umfeld: Der Vater des Verdächtigen selbst half den Ermittlern bei der Suche nach seinem Sohn. Dies berichten Sicherheitskreise übereinstimmend.
Der Anschlag und die Flucht des Täters
Am vergangenen Samstag hatte ein Attentäter während der CSD-Parade in Berlin mehrere Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Der Täter, der als Abdul Ballout identifiziert wurde, nutzte das Chaos nach der Tat, um in der Menge unterzutauchen. Trotz einer großangelegten Fahndung der Berliner Polizei mit Unterstützung des Bundeskriminalamts (BKA) blieb der 21-Jährige zunächst verschwunden. Die Ermittler standen unter enormem Druck, den Flüchtigen zu fassen, bevor er weitere Taten begehen konnte.
Der Durchbruch: Hinweise aus der Familie
Der entscheidende Durchbruch in dem Fall kam schließlich aus einem unerwarteten Umfeld: Abdul Ballouts eigener Vater wandte sich an die Polizei und lieferte konkrete Informationen zu möglichen Aufenthaltsorten seines Sohnes. Nach Angaben der Ermittler habe der Vater nicht nur die Fluchtroute beschrieben, sondern auch Kontaktpersonen und Verstecke genannt, die dem jungen Mann bekannt waren. „Der Vater hat in einer sehr schwierigen Lage Verantwortung gezeigt und damit möglicherweise weiteres Unheil verhindert“, sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft.
Die Beamten konnten daraufhin mehrere Wohnungen und Fahrzeuge überwachen. Bereits am Montagabend führte eine dieser Spuren zu einer Wohnung in Berlin-Neukölln, in der sich Ballout versteckt hielt. Bei der Festnahme leistete der Verdächtige keinen Widerstand. Er wurde noch am selben Abend einem Haftrichter vorgeführt.
Die Rolle des Vaters im Fokus der Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die Kooperation des Vaters ein zentraler Faktor für den schnellen Fahndungserfolg war. Ob der Vater selbst in die Tatvorbereitungen eingeweiht war oder seinen Sohn lediglich aus Sorge vor weiteren Eskalationen verriet, ist Gegenstand laufender Untersuchungen. „Wir prüfen derzeit, ob es Verbindungen zwischen dem Vater und radikalen Kreisen gibt. Bislang gibt es dafür keine Hinweise“, so der Sprecher weiter.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Der Fall hat bundesweit Debatten über die Rolle von Angehörigen bei Terrorermittlungen ausgelöst. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) dankte dem Vater für seine „mutige Entscheidung“ und betonte zugleich die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Prävention von Radikalisierung. Die Opfer des Anschlags wurden am Dienstag in einer stillen Gedenkstunde am Ort des Geschehens gewürdigt. Der CSD selbst kündigte für das kommende Wochenende eine große Kundgebung gegen Gewalt und Hass an.
Ermittlungen zum Hintergrund des Attentäters
Abdul Ballout war den Behörden zuvor nicht als Islamist oder Extremist bekannt. Allerdings soll er in den letzten Monaten vermehrt radikale Inhalte in sozialen Medien konsumiert haben. Die Polizei durchsuchte am Dienstag mehrere Objekte im Zusammenhang mit dem Fall, darunter die elterliche Wohnung in Berlin-Tempelhof. Dabei wurden Datenträger und Unterlagen sichergestellt, die nun ausgewertet werden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter allein handelte, schließen aber ein Netzwerk nicht vollständig aus.
Ausblick auf das Verfahren
Ballout sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Ihm wird mehrfacher Mord und versuchter Mord sowie schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Der Prozess soll vor dem Kammergericht Berlin stattfinden. Ein Termin steht noch nicht fest. Die Obduktion der Opfer dauert an. Die Ermittlungen werden von einer Sonderkommission des Landeskriminalamts geführt.



