Bayern-Patron Uli Hoeneß (74) hat am Rande des Freundschaftsspiels des FC Bayern gegen den FC Rottach-Egern (15:0) einmal mehr klare Kante gezeigt. In seiner Wahlheimat am Tegernsee sprach er über mehrere brisante Themen: den WM-Verkaufsplan von Fifa-Präsident Gianni Infantino, die Vertragsverlängerung von Sportvorstand Max Eberl, die Zukunft von Harry Kane sowie die Wechselgerüchte um Michael Olise und Luis Díaz.
Hoeneß schießt gegen Infantino
Auf die Frage nach Infantino und den Plänen, die Weltmeisterschaft teilweise an Investoren zu verkaufen, reagierte Hoeneß zunächst zurückhaltend: „Ich habe eine spezielle, sehr starke Meinung! Aber mir ist es zu früh, diese bekannt zu geben.“ Auf Nachfrage, ob diese Meinung contra Infantino sei, antwortete der Ehrenpräsident des deutschen Rekordmeisters: „Auf jeden Fall.“ Dann holte er zum Rundumschlag gegen die WM-Pläne aus. Mit Blick auf einen möglichen Boykott der Uefa-Verbände sagte Hoeneß: „Ich persönlich glaube, dass die Europäer hier noch gar nicht wissen, wie stark sie eigentlich sind. Denn einen Wettbewerb ohne Europäer kann man in die Tonne treten! Wenn die Europäer wirklich einig sind und wenn sie konsequent daran arbeiten, wird Herr Infantino mit diesem Plan nicht durchkommen. Wenn er Fidschi-Inseln gegen Kap Verde bei der WM haben will, dann kann er es haben.“
Hoeneß-Entschuldigung bei Eberl
Ein weiteres Thema war sein umstrittenes Interview im SPIEGEL, in dem er die Chancen auf eine Vertragsverlängerung von Max Eberl mit „60 zu 40“ beziffert hatte. Hoeneß zeigte Reue: „Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich mich unheimlich über mich selbst geärgert habe, dass ich so naiv war, dass dieses Interview, das am Freitagabend in Berlin stattgefunden hat, dass ich da der Meinung war, das kommt die Woche drauf am Freitag, weil der SPIEGEL ja normalerweise eine Woche Vorlauf hat. Aber offensichtlich haben ihnen meine Aussagen dann schon so gut gefallen, dass sie diese am Samstagmorgen schon in die Öffentlichkeit gebracht haben. Und damit war Max vor dem Pokalendspiel nicht gut behandelt von mir. Und ich habe mich auch bei ihm dafür entschuldigt.“ Eberl hatte nach dem Pokalsieg gesagt: „Das Fell ist dick geworden, aber an einem Finaltag fand ich es jetzt nicht den richtigen Zeitpunkt. Ob man Prozente in der Öffentlichkeit sagen muss, das weiß ich nicht.“ Hoeneß korrigierte seine Einschätzung nun deutlich: „Im Moment glaube ich: 100 Prozent!“
Kane-Verlängerung und Olise-Gerüchte
Hoeneß äußerte sich auch zu Harry Kane, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. „Ich habe jetzt mit Harry in diesem Zuge nicht direkt gesprochen, aber ich höre, dass er sich super wohlfühlt in München. Wir fühlen uns auch mit ihm super wohl und es gibt eigentlich keinen Grund, dass er im nächsten Jahr weggehen sollte. Also kann ich ihn zumindest nicht erkennen. Er ist ein Spieler, der in jeder Hinsicht ein Vorbild ist. Nicht nur als Torjäger, als Spieler auf dem Platz, sondern auch als Persönlichkeit.“ Der 61-Tore-Stürmer der Vorsaison soll offenbar bleiben. Bei Michael Olise (Vertrag bis 2029) und den Wechselgerüchten um Real Madrid zeigte sich Hoeneß gelassen: „Da gibt es gar keine Befürchtungen! Ich habe mich totgelacht. Ich habe nachgeschaut, wie lange der Vertrag hat: noch drei Jahre. Das ist für mich überhaupt kein Thema. Da könnte jetzt der Kaiser von China kommen und wir werden nicht mit dem reden.“
Hoeneß erteilt Díaz-Wechsel eine Absage
Der Ehrenpräsident polterte auch zu den Verkaufsgerüchten um Luis Díaz (29), der zusammen mit Kane und Olise in der vergangenen Saison 109 Tore erzielt hatte. „Warum sollten wir? Wir müssten doch bescheuert sein! Du gibst 60 oder 70 Millionen aus, kriegst dann vielleicht 120 und dann rennst du den anderen Spielern hinterher, von denen du nicht weißt, wie sie bei uns einschlagen. Wir sind doch in der glücklichen Lage, mit Díaz, Kane und Olise das beste Trio auf der Welt zu haben. Und der neue Spieler aus Marokko (50-Mio.-Neuzugang Ismael Saibari aus Eindhoven), der kommt da sicherlich auch noch dazu. Wir mussten ja mit dem Klingelbeutel geschlagen sein, wenn wir auch nur darüber nachdenken würden, einen von denen zu verkaufen.“



