David Clayton-Thomas, der charismatische Leadsänger der Band Blood, Sweat & Tears und Schöpfer des zeitlosen Hits „Spinning Wheel“, ist tot. Wie sein Management bekannt gab, starb er am 24. Juni in Toronto im Alter von 84 Jahren.
Der König der Rock-Baritone
Mit seiner unverwechselbaren, geschmeidigen Baritonstimme prägte Clayton-Thomas den Sound einer ganzen Ära. „Spinning Wheel“, veröffentlicht 1969 im legendären Woodstock-Jahr, wurde zur Hymne: „What goes up must come down / Spinnin‘ wheel gotta go ‘round.“ Der Song erreichte Platz zwei der Billboard-Charts und wurde unter anderem von Sammy Davis Jr., Shirley Bassey und James Brown gecovert.
Clayton-Thomas wurde 1949 als Sohn eines kanadischen Soldaten und einer englischen Sängerin in Kingston upon Thames geboren, wuchs aber ab 1945 in Kanada auf. Er brachte sich autodidaktisch das Gitarrenspiel bei, büxte von zu Hause aus und wurde wegen Landstreicherei verhaftet. Der Blues und die Arbeit in einem Stahlwerk prägten ihn nachhaltig.
Der Aufstieg mit Blood, Sweat & Tears
Nach seinem Umzug nach New York wurde er Leadgitarrist bei John Lee Hooker, bevor er 1968 bei Blood, Sweat & Tears einstieg. Die Band war ein Jahr zuvor von Al Kooper gegründet worden. Mit Clayton-Thomas als Leadsänger und dem zweiten Album „Blood, Sweat & Tears“ gelang der Durchbruch: zehn Millionen verkaufte Tonträger und zwei Grammys. Das Album, eingespielt im New Yorker Club Cafe Au Go Go, strotzte vor Experimentierfreude – von Erik-Satie-Variationen bis zu Interpretationen von Laura Nyro und Billie Holiday.
„Man kann nicht neun Superstars in einer Gruppe haben. Mick und Keith, klar. John und Paul, gut. Aber nicht neun“, sagte Clayton-Thomas später dem „Toronto Star“ über die Spannungen in der Band.
Woodstock und Inspiration
Blood, Sweat & Tears traten im August 1969 beim legendären Woodstock-Festival auf. Der Auftritt soll großartig gewesen sein, doch es existiert kein Mitschnitt, weil Kameraleute und das Aufnahmeteam streikten. Zu seinem Jahrhundertstück „Spinning Wheel“ wurde Clayton-Thomas von Joni Mitchell inspiriert. Die Zeile „Ride the painted pony“ übernahm er aus ihrem Lied „The Circle Game“. „Ich war verknallt in sie“, gestand er später.
Als der deutsche Produzent Frank Farian 1990 „Spinning Wheel“ für Milli Vanillis „All Or Nothing“ plagiierte, verklagte Clayton-Thomas ihn. Die beiden einigten sich außergerichtlich.
Nach der Band und Vermächtnis
1972 verließ Clayton-Thomas Blood, Sweat & Tears nach Querelen mit Gitarrist Steve Katz. Eine Solokarriere blieb weitgehend erfolglos. In seinem Song „And When I Die“ singt er: „And when I die and when I’m gone / There’ll be one child born / In this world, carry on, to carry on.“ Das Rad dreht sich weiter – auch wenn man diese Welt verlässt.



