Im Wettlauf um den Mond droht die US-Weltraumbehörde Nasa ins Hintertreffen zu geraten. Während China ehrgeizige Pläne für eine Mondlandung verfolgt, fehlt der Nasa noch entscheidende Technik. Nasa-Vizechef Amit Kshatriya erklärt im Interview, was auf dem Spiel steht und warum der Mars das nächste große Ziel sein muss.
Chinas Vorsprung auf dem Mond
China hat in den vergangenen Jahren beeindruckende Fortschritte in der Raumfahrt erzielt. Mit der Chang'e-Missionen gelang es, einen Rover auf der Rückseite des Mondes abzusetzen und Mondgestein zur Erde zu bringen. Nun plant Peking eine bemannte Mondlandung bis 2030. Die Nasa hingegen kämpft mit Verzögerungen bei ihrem Artemis-Programm, das erst für 2025 oder später eine Mondlandung vorsieht.
Kshatriya betont: „Es geht nicht darum, wer zuerst da ist. Es geht darum, was wir dort tun und wie wir die Präsenz auf dem Mond nachhaltig gestalten.“ Dennoch sei ein chinesischer Vorsprung riskant, da China möglicherweise eigene Regeln und Standards auf dem Mond etablieren könnte.
Die Bedeutung des Mondes für die Raumfahrt
Der Mond gilt als entscheidender Zwischenschritt für die weitere Erforschung des Sonnensystems. „Der Mond ist ein Testfeld für Technologien, die wir für den Mars brauchen“, so Kshatriya. Dazu gehören Lebenserhaltungssysteme, Ressourcennutzung vor Ort und der Bau von Habitaten. Ohne eine starke Mondpräsenz wäre eine Marsmission deutlich schwieriger.
Die Nasa setzt daher auf das Artemis-Programm, das nicht nur eine Rückkehr zum Mond vorsieht, sondern auch eine dauerhafte Station in der Mondumlaufbahn und auf der Oberfläche. „Wir wollen lernen, wie man auf dem Mond lebt und arbeitet, bevor wir uns auf den langen Weg zum Mars machen“, erklärt Kshatriya.
Der Mars als ultimatives Ziel
Für Kshatriya ist klar: Der Mars muss das nächste große Ziel der bemannten Raumfahrt sein. „Eine bemannte Marsmission wäre ein Quantensprung für die Menschheit“, sagt er. Die Nasa arbeitet an der Entwicklung von Raumschiffen und Antriebssystemen, die eine Reise zum Roten Planeten ermöglichen sollen. Allerdings sei dies eine Herausforderung, die erst in den 2040er Jahren realisierbar sei.
Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern sei dabei essenziell. „Kein Land kann eine Marsmission allein stemmen“, betont Kshatriya. Die Nasa setzt daher auf Kooperationen mit der ESA und anderen Raumfahrtagenturen.
Die Gefahr eines neuen Wettrennens
Kshatriya warnt davor, den Wettlauf zum Mond als rein nationales Prestigeprojekt zu betrachten. „Wenn wir nicht aufpassen, könnte ein neues Wettrennen entstehen, das die internationale Zusammenarbeit gefährdet“, sagt er. Stattdessen plädiert er für eine gemeinsame Nutzung des Mondes und des Mars im Sinne der gesamten Menschheit.
Auf die Frage, ob China ein Partner oder Konkurrent sei, antwortet Kshatriya diplomatisch: „Wir haben in der Vergangenheit gut mit China zusammengearbeitet, etwa bei der Erforschung des Mondes. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft Wege finden, gemeinsam zu forschen.“
Fazit: Der Mond als Sprungbrett
Der Wettlauf zum Mond mag aus politischen Gründen hochgespielt werden, doch für die Nasa steht mehr auf dem Spiel: die Fähigkeit, den Mond als Sprungbrett für die Marsmission zu nutzen. Chinas Fortschritte sind eine Herausforderung, aber auch eine Chance für mehr internationale Kooperation. „Am Ende geht es nicht um Flaggen, sondern um die Zukunft der Menschheit im All“, so Kshatriya.



