Afghanistan: Familien verkaufen Töchter aus Hunger – Uno schlägt Alarm
Afghanistan: Familien verkaufen Töchter aus Hunger

Die humanitäre Lage in Afghanistan hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Familien sind gezwungen, ihre Töchter zu verkaufen, um das Überleben der restlichen Familie zu sichern. Dies berichtet ein Experte der Vereinten Nationen in einem Interview. Die Uno warnt seit Jahren vor einer Hungersnot, doch nun treffen mehrere Faktoren zusammen, die die Situation dramatisch verschärfen.

Dürre, Wirtschaftskollaps und Hunger

Afghanistan leidet unter einer der schlimmsten Dürren seit Jahrzehnten. Die Ernten fallen aus, die Preise für Grundnahrungsmittel sind explodiert. Hinzu kommt der Zusammenbruch der Wirtschaft nach der Machtübernahme der Taliban. Viele Menschen haben kein Einkommen mehr, die Arbeitslosigkeit liegt bei über 80 Prozent. Nach Angaben des Uno-Experten sind rund 23 Millionen Afghanen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – von akutem Hunger betroffen.

Besonders dramatisch ist die Lage in abgelegenen ländlichen Regionen. „Wir haben Familien getroffen, die ihre Töchter verkaufen, um wenigstens den Rest der Familie ernähren zu können“, sagte der Experte. Der Preis für ein Mädchen liege oft bei umgerechnet nur wenigen hundert Euro. Die Mädchen würden dann als Bräute oder Haushaltshilfen verkauft, viele seien noch Kinder.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Uno-Hilfsprogramme unterfinanziert

Die Vereinten Nationen haben ihre Hilfsaufrufe für Afghanistan mehrfach erhöht, doch die Finanzierungslücke bleibt riesig. Für das laufende Jahr benötigt das Welternährungsprogramm (WFP) 2,5 Milliarden US-Dollar, um die Grundversorgung sicherzustellen. Bislang sei nur ein Bruchteil eingegangen. „Wir stehen vor einer beispiellosen humanitären Katastrophe“, so der Uno-Vertreter. Ohne zusätzliche Mittel müssten die Rationen gekürzt werden, was weitere Todesfälle durch Hunger bedeuten würde.

Die internationale Gemeinschaft steht vor einem Dilemma: Einerseits will man die Taliban nicht durch direkte Zahlungen unterstützen, andererseits leiden die Menschen. Die Uno versucht, humanitäre Hilfe über lokale Partnerorganisationen zu leisten, die nicht mit den Taliban verbunden sind. Doch die Bürokratie und die fehlende Sicherheit erschweren die Arbeit.

Kinderarbeit und Zwangsverheiratung nehmen zu

Neben dem Verkauf von Töchtern berichten Hilfsorganisationen auch von einem massiven Anstieg der Kinderarbeit. Viele Familien schicken ihre Söhne auf die Straße, um zu betteln oder kleinere Arbeiten zu verrichten. Die Schulbildung ist weitgehend zum Erliegen gekommen, vor allem für Mädchen, die von den Taliban von weiterführenden Schulen ausgeschlossen werden.

Die Zwangsverheiratung von Minderjährigen hat ebenfalls zugenommen. In manchen Provinzen würden Mädchen bereits im Alter von zehn Jahren verheiratet, so der Uno-Experte. Die Eltern sähen darin oft den einzigen Ausweg, um die Tochter durchzubringen oder zumindest einen Brautpreis zu erhalten.

Internationale Reaktionen und Ausblick

Die Bundesregierung hat ihre humanitären Hilfen für Afghanistan aufgestockt, doch die Summen reichen bei weitem nicht aus. Auch andere Geberländer haben ihre Beiträge erhöht, aber die Krise erfordert eine koordinierte globale Anstrengung. Der Uno-Experte appelliert an die internationale Gemeinschaft, nicht wegzusehen: „Es geht um das Überleben von Millionen Menschen. Wir brauchen sofortige Hilfe, aber auch langfristige Perspektiven für die Menschen in Afghanistan.“

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Wenn die nächste Ernte im Herbst erneut ausfällt, droht eine Hungersnot historischen Ausmaßes. Die Uno rechnet damit, dass bis Ende des Jahres bis zu einer Million Kinder an Unterernährung sterben könnten, wenn nicht massiv geholfen wird.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration