Ein flüchtiger Schatten unter der Wasseroberfläche, ein kurzer Schreckmoment auf offener See: Immer häufiger berichten Fischer, Taucher und Sportler in Italien von Begegnungen mit Haien. Der jüngste Fall vor der toskanischen Küste bei Calafuria nahe der Hafenstadt Livorno, wo zwei junge Angler einen Makohai am Haken hatten, ist nur das aktuellste Ereignis einer ganzen Serie von Sichtungen entlang der italienischen Küsten.
Gehäufte Sichtungen von Sardinien bis Sizilien
In den vergangenen Wochen wurden in mehreren Küstenregionen des Landes Haie gesichtet. Besonders häufig stammen Meldungen aus Sardinien, Sizilien, der Toskana und Ligurien. Auch im Raum Gallipoli in Apulien sowie im Sizilien-Kanal kam es zuletzt wiederholt zu Begegnungen mit Haien. Dabei reicht das Spektrum von nahen Küstensichtungen hin zu Beobachtungen im offenen Meer.
So wurde Ende Mai vor Sardinien ein Blauhai lokalisiert – ein für den Menschen weitgehend ungefährliches Tier von rund zwei Meter Länge, nur wenige Meter vor der Küste entfernt. Einige Tage später berichtete ein französischer Triathlet, er sei beim Schwimmen im Meer Sardiniens mehrfach von einem Schwarzspitzenhai attackiert worden. „Er hat mich fünfmal gebissen, zum Glück nur oberflächlich“, sagte der junge Mann italienischer Abstammung, Giovanni Caselli, gegenüber italienischen Medien. „Ich habe geschrien, das hat ihn offenbar noch weiter angestachelt, und er wurde immer aggressiver. Er hat weiter zugebissen, und ich bin in Panik geraten“, so der Triathlet. Trotz der Angst habe der 28-Jährige ausreichend Klarheit behalten, um sich Richtung Ufer zu orientieren. Der Hai habe sich kurz darauf entfernt, sodass er das Wasser ohne schwerere Verletzungen verlassen konnte.
Welche Haiarten im Mittelmeer vorkommen
Im Mittelmeer schwimmen rund 48 von den weltweit etwa 537 bekannten Haiarten. Zu den am häufigsten gesichteten Arten im Mittelmeer gehört der harmlose Blauhai, der im gesamten Mittelmeerraum verbreitet ist. Hinzu kommen der Fuchshai – erkennbar an seiner auffallend langen Schwanzflosse – sowie der deutlich seltenere Makohai. Der schnelle Hochseejäger gilt als potenziell gefährlich. In Einzelfällen wurden zudem Hinweise auf den Weißen Hai im zentralen Mittelmeer dokumentiert, insbesondere im Bereich des Sizilien-Kanals, der als ökologisch besonders bedeutender Übergangsraum gilt.
Klimawandel treibt Haie näher an die Küsten
Die Ursachen für die gehäuften Meldungen sind vielschichtig. Ein wichtiger Faktor ist der Klimawandel. Das Mittelmeer hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erwärmt. Viele Haiarten folgen ihren Beutetieren wie Sardinen oder Makrelen, die sich ebenfalls in küstennahe, nährstoffreichere Zonen verlagern. Dadurch kommen auch Raubfische näher an die Küste. Das verändert die Verteilung im gesamten Ökosystem des Mittelmeers. Soziale Medien tragen dazu bei, dass jede Sichtung sofort dokumentiert und verbreitet wird – ein Effekt, der die Wahrnehmung deutlich verstärkt. Viele Exemplare nähern sich im Sommer der Küste, um Fischschwärmen zu folgen.
Zur Erforschung dieser Tiere ist jetzt das Projekt tshark ins Leben gerufen worden, eine wissenschaftliche Initiative der Universität Padua. Ziel des Projekts ist es, die Wanderbewegungen der Tiere besser zu verstehen und sogenannte „Hotspots“ entlang der Küsten zu kartieren – vom nördlichen Adriaraum über den Sizilien-Kanal bis ins Tyrrhenische Meer. Die Plattform sammelt Daten zu markierten, wiedergefangenen oder gesichteten Tieren. Fischer, Taucher und Seefahrer werden aktiv in die Forschung eingebunden und liefern wichtige Daten für die wissenschaftliche Auswertung. Das Projekt gilt als eines der wichtigsten Beispiele moderner Meeresforschung im Mittelmeerraum.
Verhaltenstipps bei Hai-Begegnungen
Experten raten bei Hai-Begegnungen, sich senkrecht im Wasser aufzurichten und Blickkontakt mit dem Tier aufzunehmen. Besonders wichtig: Ruhe bewahren und nicht flüchten, sondern sich nur langsam und kontrolliert Richtung Ufer oder Boot bewegen.



