Heftige Hitze wie in diesen Tagen ist im Zuge der Klimakrise in Deutschland häufiger geworden – und dürfte noch weiter zunehmen. Zahlen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) belegen, dass die durchschnittliche Zahl der Hitzetage, an denen die Höchsttemperatur über 30 Grad steigt, deutlich zugenommen hat. Trotz starker Schwankungen zwischen den Jahren sei der Trend insgesamt steigend, betont das Umweltbundesamt.
Mehr als zehn Hitzetage pro Jahr waren früher selten
Jahre mit deutlich mehr als zehn Hitzetagen waren bis vor rund zehn Jahren seltene Ausreißer – wie etwa die Jahre 2006 und 2015. Mittlerweile kommen sie immer häufiger vor: So gab es 2018 gut 20 Hitzetage, 2019 und 2022 rund 17 Hitzetage und 2020 sowie 2025 rund 11 Hitzetage, wie aus den DWD-Statistiken hervorgeht.
Ursachen der aktuellen Hitze: Luftströme aus Südwesteuropa
Der Meteorologe Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung erklärt, die aktuelle Hitze sei durch Luftströme aus Südwesteuropa nach Deutschland gekommen. Diese Luftmassen seien heute deutlich heißer als noch in den 1960er bis 1980er Jahren. „Deshalb können sich bereits die ersten Hochsommertage des Jahres zu einer markanten Hitzewelle entwickeln.“ Mit der Erderwärmung verschiebe sich die Spanne möglicher Temperaturen nach oben. Damit werde das Überschreiten bisheriger Rekorde wahrscheinlicher.
Studie: Fünf heftigste Hitzewellen in Europa in den vergangenen 16 Jahren
Julian Krüger vom Max-Planck-Institut für Meteorologie hat im Zuge einer im Fachjournal „Plos One“ veröffentlichten Studie gemeinsam mit anderen Forschern die Auswirkungen von Hitzewellen in Europa aus den vergangenen 45 Jahren analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die fünf intensivsten Hitzewellen alle in den vergangenen beiden Jahrzehnten lagen: in den Jahren 2010, 2014, 2018, 2021 und 2022.
„Das europäische Sommerklima wird maßgeblich vom Klimawandel beeinflusst. Neben einer generellen Verschiebung in Richtung wärmere Temperaturen erhöht der Klimawandel auch die Wahrscheinlichkeit für außergewöhnlich hohe Temperaturen bis hin zu Hitzeereignissen, die ohne den Klimawandel nicht möglich wären“, erklärt Krüger. Mit weiterem Voranschreiten des Klimawandels sei auch eine weitere Zunahme von Hitzewellen zu erwarten.
Auswirkungen auf Gesundheit und Infrastruktur
Die zunehmende Hitze hat weitreichende Folgen: Sie belastet die Gesundheit, insbesondere älterer Menschen und Vorerkrankter, erhöht die Waldbrandgefahr und setzt die Infrastruktur unter Druck. Auch die Landwirtschaft leidet unter Trockenheit und Ernteausfällen. Experten fordern daher verstärkte Anpassungsmaßnahmen, wie mehr Grünflächen in Städten und bessere Hitzewarnsysteme.



