Am Sonntag wurde mit 41,7 Grad in Ost-Brandenburg der dritte Hitzerekord in Folge aufgestellt. Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits am Freitag 41,3 Grad und am Samstag 41,5 Grad gemessen. Die offizielle Bestätigung der Rekorde steht noch aus. Ab Montag versprechen Regen und Gewitter Abkühlung, doch die Hitzewelle hat bereits zahlreiche Schäden und tragische Vorfälle verursacht.
Waldbrand am Chiemsee: A8 gesperrt
Am Chiemsee in Bayern steht ein Wald- und Moorgebiet von 5,5 Hektar in Flammen – das entspricht knapp acht Fußballfeldern. Die Autobahn 8 zwischen Übersee und Bernau wurde komplett gesperrt, da der Rauch die Sicht behinderte. Rund 200 Feuerwehrleute kämpfen seit Sonntagabend gegen das Feuer, ein Hubschrauber der Polizei unterstützt die Löscharbeiten. Ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt. Die Brandursache ist noch unklar.
17-Jähriger tot aus See geborgen
In Niedersachsen wurde ein 17-jähriger Jugendlicher leblos aus dem Eixer See in Peine geborgen. Er war seit Sonntagmittag vermisst, die Polizei setzte einen Hubschrauber zur Suche ein. Ein Badeunfall galt zunächst als unwahrscheinlich, die Ermittlungen zur Todesursache laufen. Während der Hitzewelle sind deutschlandweit mindestens zwölf Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder und Jugendliche.
Weitere Waldbrände und Evakuierungen
In Rheinland-Pfalz musste der Ort Traisen bei Bad Kreuznach komplett evakuiert werden. Ein Waldbrand auf 2,7 Hektar in einem steilen, mit Kampfmitteln belasteten Gebiet bedroht einen Funkturm und eine Starkstromtrasse. Die etwa 600 Einwohner wurden in einer Notunterkunft untergebracht. Landrätin Bettina Dickes (CDU) sprach von einer „ökologischen Katastrophe“. Auch in anderen Regionen steigt die Waldbrandgefahr, insbesondere in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt gilt die höchste Warnstufe.
Hitzeschäden an Infrastruktur
Die extreme Hitze setzt der Verkehrsinfrastruktur zu. In Leipzig fahren seit Sonntag keine Straßenbahnen mehr, da sich Fugenmasse in Schienen und Weichen verflüssigt hat und verklumpt. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) erwarten, den Betrieb frühestens am Montag wieder aufnehmen zu können. Auch auf Autobahnen wie der A2, A7, A9, A10 und A93 gibt es Hitzeschäden, die zu Sperrungen oder Fahrbahneinschränkungen führen. Die Deutsche Bahn rät weiterhin von nicht dringend notwendigen Reisen ab.
630 Passagiere in Zug ohne Klimaanlage gestrandet
In der Prignitz (Brandenburg) steckten am Samstagabend rund 630 Passagiere in einem Zug der tschechischen Bahn fest, nachdem ein Baum auf die Oberleitung gefallen war. Die Klimaanlage fiel aus, die Türen blieben verschlossen. Im Innern stiegen die Temperaturen auf etwa 40 Grad. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Die Feuerwehr öffnete die Türen, Kinder, Schwangere und Ältere wurden evakuiert. Nach mehreren Stunden brachte eine Diesellok den Zug nach Karstädt, wo ein Notlager eingerichtet wurde.
Umweltminister verweist auf Länderverantwortung
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte im Deutschlandfunk, der Bund habe den Ländern aus dem Sondervermögen für Infrastruktur 100 Milliarden Euro für die nächsten Jahre zur Verfügung gestellt. Dies sei ausreichend, um Hitzeschutzmaßnahmen zu finanzieren. Er arbeite daran, auch künftig Mittel bereitzustellen. Die Stiftung Patientenschutz forderte derweil verbindliche Investitionen für Pflegeheime, da viele der 800.000 Pflegeheimbewohner unter der Hitze litten. Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung, kritisierte: „Die Papiere und Konzepte enden dort, wo der Patientenschutz Geld und Personal kostet.“
Grüne fordern „Abkühl-Sofortprogramm“
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte ein „Abkühl-Sofortprogramm“ zur Klimatisierung von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen. Sie schlug ein Förderprogramm für „Klima-Solar-Anlagen“ vor, da Hitze mit hoher Sonneneinstrahlung und damit viel Solarertrag einhergehe.
Blick aufs Wetter
Der DWD erwartet für Montag landesweit Unwetter mit heftigem Starkregen, schweren Sturmböen und Hagel. Bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter sind möglich. Die Temperaturen sinken deutlich, die Hitzewelle ist damit vorerst gebrochen. Im Osten und Südosten werden am Sonntag noch 39 bis 41 Grad erwartet, an der Küste bleibt es kühler.



