Am Samstag fuhr der Autor in einen Berliner Baumarkt, um einen Ventilator zu kaufen. Die Verkäuferin lächelte, bevor er seine Frage beenden konnte: Ventilatoren seien in ganz Berlin ausverkauft. Plötzlich war das Gefühl der Corona-Pandemie zurück – leere Regale, Hamsterkäufe.
Ein Wochenende als Kipppunkt?
Eine Freundin am Telefon bezeichnete das Wochenende als möglichen Kipppunkt. Der Ansturm auf Klimaanlagen und Ventilatoren zeige, dass der Klimawandel nun wieder Thema werde. Doch sie räumte ein: Vielleicht passiere auch gar nichts. Der Autor selbst verbrachte die meiste Zeit auf der Couch, ohne Baumarkt-Ventilator, aber mit einem kleinen Handventilator aus Singapur – ein Souvenir, das er damals als Gag gekauft hatte.
Viele Menschen sagten geplante Unternehmungen ab, blieben in ihren Wohnungen und dachten an ihre Mitmenschen. Fotos von Balkonen, U-Bahn-Bahnsteigen und klimatisierten Geschäften kursierten in Chats. Ein Freund schwärmte von Decathlon, ein anderer lobte Jörg Kachelmann für seine jahrelange Missionsarbeit für den Durchzug.
Die vergessene Klimakrise
Die Klimakrise war nie verschwunden, wurde aber von Corona, Kriegen und Inflation überdeckt. Eine Kollegin formulierte: „Das Problem ist nicht mangelndes Wissen, sondern dass wir die Klimakrise immer wieder vergessen.“ Unsere Aufmerksamkeit funktioniere wie ein Scheinwerfer, der nur die dringendsten Krisen ausleuchte.
Der Autor reflektiert: „Bei langfristigen Risiken handeln wir meist erst, wenn wir die Folgen selbst spüren. Wir prokrastinieren. Ich selbst bin ein Beispiel: Ich wollte den Ventilator kaufen, als es in meiner Wohnung 38 Grad warm war – nicht, als die Warnungen kamen.“
Methoden der Klimabewegung
Viele junge Menschen hatten vor Corona eine Massenbewegung zur Bekämpfung des Klimawandels initiiert. Doch der Streit über die Mittel – Festkleben auf Straßen, Beschmieren von Kunstgemälden – erwies sich als nicht anschlussfähig für die Bevölkerungsmehrheit. Der Autor schreibt: „Viele sagten damals: Die Anliegen waren richtig, aber nicht die Methoden. Seitdem sind mehrere Jahre vergangen. Es wäre genug Zeit gewesen zu zeigen, welche Methoden besser funktionieren. Ich kann da nicht viel erkennen.“
Die Freundin am Telefon fasst zusammen: „Erst wenn wir etwas am eigenen Körper spüren, handeln wir.“ Und plötzlich sind die Ventilatoren ausverkauft.



