Explosionen in Kyjiw: Klitschko warnt vor ballistischen Raketen
Explosionen in Kyjiw: Klitschko warnt vor Raketen

Kyjiw ist am Mittwochmorgen von einer regelrechten Serie von Explosionen erschüttert worden. Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP aus der ukrainischen Hauptstadt berichteten, erfolgte die erste heftige Explosion noch vor Ertönen der Luftschutzsirenen. „Der Feind greift die Hauptstadt mit ballistischen Raketen an. Bleiben Sie in den Schutzräumen“, schrieb Bürgermeister Vitali Klitschko in Onlinemedien.

Durch die russischen Angriffe gerieten Klitschko zufolge mehrere Lagerhallen sowie ein weiteres „Nicht-Wohngebäude“ in Brand. Die neue Angriffswelle erfolgte nur einen Tag nachdem durch Attacken der Truppen Moskaus in der Ukraine nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet worden waren.

Selenskyj fordert mehr Luftabwehr von der Nato

Die Ukraine braucht nach eigenen Angaben dringend Nachschub für ihre Luftabwehr. Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte am Dienstag unmittelbar vor dem Nato-Gipfel in Ankara „mehr Entschlossenheit“ bei der Versorgung seines Landes. Die „oberste Priorität“ der Ukraine sei derzeit, „mehr Luftabwehrraketen zu bekommen“, sagte Selenskyj auf dem Nato-Rüstungsforum in der türkischen Hauptstadt.

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„Alles andere sind wir in der Lage, selbst zu leisten“, betonte er. „Wenn es um die Luftverteidigung geht, brauchen wir den entschlossenen Willen unserer Partner“, sagte Selenskyj. „Bitte sorgen Sie dafür, dass mehr Entschlossenheit und mehr Entscheidungen für die Luftverteidigung zu den wichtigsten Ergebnissen dieses Nato-Gipfels in Ankara gehören“, fuhr er fort.

Merz: Russland wird sich nicht durchsetzen

Kurz vor Beginn des Nato-Gipfels hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Russland erneut aufgefordert, den Krieg in der Ukraine zu beenden. „Es liegt an Moskau, und dies ist unsere gemeinsame Überzeugung“, sagte Merz am Dienstag vor seinem Abflug nach Ankara mit Blick auf die USA und die anderen Nato-Partner. Die Ukraine solle mit „zusätzlichen Mitteln“ ausgestattet werden.

Merz verwies in diesem Zusammenhang auf die Summe von je 70 Milliarden Euro für dieses und kommende Jahr. Militärhilfe in dieser Höhe werden nach Angaben von Diplomaten die europäischen Nato-Staaten und Kanada der Ukraine zur Verfügung stellen; dies soll auf dem Nato-Gipfel in Ankara offiziell verkündet werden. „Dem Kreml dürfte langsam klar sein, dass sich Russland in diesem Krieg nicht durchsetzen wird und seine Kriegsziele nicht erreichen wird“, sagte Merz weiter zur Lage auf dem Schlachtfeld. Zugleich bleibe Russland „eine ernsthafte Bedrohung“.

Kämpfe an den Fronten dauern an

Die Kämpfe entlang der Fronten im Südosten der Ukraine dauern in unverminderter Heftigkeit an. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte sprach in seinem abendlichen Lagebericht von insgesamt 219 bewaffneten Zusammenstößen an verschiedenen Frontabschnitten. Schwerpunkt der Kämpfe lag bei Pokrowsk im Industrierevier Donbass, wo die russischen Streitkräfte nach Darstellung der Generalität in Kyjiw über 40 Angriffe gegen ukrainische Stellungen führten.

Russland setzte unterdessen auch seine Angriffe gegen zivile Ziele in der Ukraine fort. Bei einem Raketenangriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa wurden nach Angaben des regionalen Militärverwalters Oleh Kiper sechs Menschen verletzt. Explosionen nach russischen Angriffen wurden auch aus der ostukrainischen Großstadt Charkiw ohne weitere Details gemeldet.

Ukraine attackiert russische Schattenflotte

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigener Darstellung mehrere Tanker der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer angegriffen und beschädigt. Bei dem nächtlichen Drohnenangriff seien insgesamt acht Tanker angegriffen worden, teilte der Chef der Drohnentruppen, Robert Browdi, auf Telegram mit. Die Schiffe seien nunmehr manövrierunfähig. „Der Kampf um das Benzin für die Krim im Asowschen Meer geht weiter.“

Zudem griff das ukrainische Militär eigenen Angaben zufolge zwei Rüstungsfabriken in der russischen Region Brjansk an. Bei einem der getroffenen Betriebe handelt es sich um Kremnij EL, einen Hersteller von Mikroelektronik und Zulieferer des russischen Militärs, wie der ukrainische Generalstab auf Telegram mitteilt. Zudem sei eine Chemiefabrik getroffen worden, die Schießpulver, Sprengstoff und Treibstoff für die Raketenproduktion herstellt.

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Grüne drängen auf Taurus-Lieferung

Die Grünen wollen im Bundestag diese Woche die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern und weitere Maßnahmen für eine noch stärkere Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland vorschlagen. Das geht aus einem Antrag hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und am Mittwochabend im Plenum vorgestellt werden soll. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, „endlich unverzüglich der ukrainischen Bitte nach Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern aus verfügbaren Beständen der Bundeswehr in größtmöglichem Umfang zu entsprechen“. Zudem solle rasch die zusätzliche Produktion von Patriot-Abwehrraketen für die Ukraine in Deutschland beauftragt werden.

Gestärkt werden sollten mit deutscher Unterstützung auch die ukrainischen Fähigkeiten zur Zerstörung von tief auf russischem Gebiet befindlichen Kommandoposten, Abschussvorrichtungen, Militärflugplätzen, Munitionsdepots, Treibstofflagern und militärischen Produktionsstätten.

Selenskyj bestätigt Krim-Operation

Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, hat erstmals offiziell die Durchführung der Krim-Operation der ukrainischen Streitkräfte bestätigt. In einem Interview der Financial Times erklärte das ukrainische Staatsoberhaupt, dass die Operation Angriffe großer und mittlerer Reichweite umfasse, die darauf abzielten, die Militarisierung der von Russland besetzten Halbinsel zu verlangsamen, die militärische Logistik zu stören und die Treibstoff- und Energieinfrastruktur zu treffen.

Selenskyj zufolge haben die ukrainischen Streitkräfte bereits ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, „den Luftraum an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt operativ zu kontrollieren“. Zudem griffen sie systematisch Militärbasen, Flugplätze, Luftverteidigungssysteme sowie die Nachschubwege der russischen Streitkräfte auf der Krim an.

IOC lockert Beschränkungen für russische Sportler

Mehr als vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen Teil der Beschränkungen gegen russische Sportler aufgehoben. Russische Athletinnen und Athleten sollen sich auch in Mannschaftssportarten für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles qualifizieren können, wie das IOC am Dienstag nach einer Vorstandssitzung in Lausanne mitteilte. „Wir wollten allen Athleten die Möglichkeit garantieren, an den Olympischen Spielen teilzunehmen und nicht für die Handlungen ihrer Regierung verantwortlich gemacht zu werden“, sagte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry.

Im Unterschied zu Sportlern aus Belarus, die Anfang Mai vollständig wieder zugelassen worden waren, dürfen Russinnen und Russen bei Olympia jedoch vorerst weiterhin nicht unter russischer Flagge antreten. Auch die russische Nationalhymne soll bis auf Weiteres bei den Wettbewerben nicht gespielt werden. Veranstaltungen in Russland will das IOC zunächst ebenfalls nicht organisieren, Vertreter des russischen Staates sollen nicht eingeladen werden.