Bei Angriffen im Südsudan sind mindestens 169 Menschen getötet worden. Unbekannte bewaffnete Gruppen überfielen am Sonntag Ortschaften im Verwaltungsbezirk Ruweng, der im Norden an den Sudan grenzt. Unter den Opfern sind Kinder, Frauen und ältere Menschen sowie Sicherheitskräfte, wie der Informationsminister des Bezirks, James Monyluak Mijok, mitteilte. Zunächst war von 122 Toten die Rede.
Die Informationsministerin des Bundesstaates Unity, Nyakenya Johannes Keah Ruai, erklärte, die Regierung habe Soldaten entsandt, um die Lage zu entschärfen. Untersuchungen zur Identität der Täter und den Ursachen der Angriffe seien eingeleitet worden. Die UN-Friedensmission im Südsudan (Unmiss) berichtete von Dutzenden Toten und bezeichnete die eskalierende Gewalt als alarmierend. Mehr als 1000 Zivilisten flohen auf eine Unmiss-Basis, wo Verletzte medizinisch versorgt werden.
Erst vergangene Woche hatte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk vor zunehmender Gewalt gegen Zivilisten gewarnt, darunter wahllose Luftangriffe, gezielte Tötungen, Entführungen und sexualisierte Gewalt. Er betonte, dass sich das Land an einem gefährlichen Punkt befinde. Die Gewalt werde von Regierungstruppen, Oppositionskräften und verbündeten Milizen verübt. Allein im Bundesstaat Jonglei seien mehr als 280.000 Menschen auf der Flucht. Die Menschenrechtsverletzungen hätten im Januar im Vergleich zum Dezember um 45 Prozent zugenommen.
Der Südsudan, das jüngste Land der Welt, das sich 2011 vom Sudan abspaltete, gilt trotz großer Ölvorkommen als einer der ärmsten Staaten. In den vergangenen Monaten verschlechterte sich die Lage, nachdem der Konflikt zwischen Anhängern von Präsident Salva Kiir und Unterstützern des festgenommenen Vizepräsidenten Riek Machar wieder aufflammte. Ein 2018 geschlossenes Friedensabkommen, das einen fünfjährigen Bürgerkrieg mit rund 400.000 Toten beendet hatte, ist vor wenigen Wochen gescheitert. Seitdem kam es zu zahlreichen Zusammenstößen.
Die UNO ist mit einer Blauhelmmission im Südsudan präsent, an der sich die Bundeswehr seit 2011 beteiligt. Die Mission zielt unter anderem auf Bevölkerungsschutz, Wahrung der Menschenrechte und humanitäre Hilfe ab.



