Ein neues Gesetz in Afghanistan erlaubt Ehemännern, ihre Frauen körperlich zu bestrafen. Das Regelwerk, das bereits Anfang des Jahres stillschweigend verabschiedet wurde, sorgt nun international für Empörung. Laut einer Übersetzung des Afghanistan Analysts Network legt das Gesetz in 119 Artikeln fest, unter welchen Umständen Gewalt gegen Frauen legal ist.
So heißt es in Artikel 4, dass jeder, der eine „Sünde“ beobachtet, vor Ort eine „korrigierende Strafe“ verhängen darf. Feste Strafen kann ein Imam anordnen, Ermessensstrafen auch der Ehemann. Schlägt ein Mann seine Frau so schwer, dass sie Knochenbrüche oder offene Wunden erleidet, drohen ihm laut Artikel 32 lediglich 15 Tage Haft.
Die ehemalige afghanische Parlamentarierin Fawzia Koofi kritisierte das Gesetz scharf: „Wie kann man glauben, dass eine Frau vor Gericht geht, wenn sie weiß, dass ihr Mann 15 Tage später wieder frei ist und sie töten kann?“ Die Taliban behandelten Frauen wie in einem Apartheid-System und gäben Männern nun die Macht, sie legal zu foltern.
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk erklärte, das Dekret legitimiere Gewalt gegen Frauen und Kinder. Afghanistan sei „ein Friedhof für Menschenrechte“. Laut UN Women sind inzwischen 80 Prozent der Frauen vom Arbeitsmarkt und der Bildung ausgeschlossen.
Das Gesetz sieht auch harte Strafen für Andersdenkende vor: Wer den Taliban-Führer Hibatullah Akhundzada beleidigt, wird mit 39 Peitschenhieben und einem Jahr Gefängnis bestraft. Homosexualität steht unter Todesstrafe, wenn die Tat durch Zeugen oder Geständnis nachgewiesen wird.



