Hisbollah-Israel-Konflikt bedroht Trumps Iran-Deal mit Papierfrieden
Hisbollah-Israel-Konflikt bedroht Trumps Iran-Deal

Der am Freitagabend verkündete Waffenstillstand zwischen Israel und der von Teheran unterstützten Hisbollah war am Samstag bereits brüchig. Israelische Kampfflugzeuge griffen Ziele im Südlibanon und in der Bekaa-Ebene an, nachdem die israelische Armee mehr als 50 Geschosse der Hisbollah gemeldet hatte. Libanesische Stellen sprachen von mindestens 20 Toten. Die Hisbollah warf Israel „Hunderte“ Verstöße vor und drohte mit Vergeltung. Israel erklärte, es halte sich an die Waffenruhe, werde aber „entschlossen“ auf jede Bedrohung reagieren.

Waffenstillstand bröckelt: Israel und Hisbollah liefern sich erneut Gefechte

Damit ist der verwundbarste Punkt des 14-Punkte-Memorandums zwischen Washington und Teheran offengelegt. Der Deal verlangt Ruhe an allen Fronten, auch im Libanon. Doch weder Israel noch die Hisbollah haben das Abkommen unterzeichnet. Wenn US-Präsident Donald Trump auf Truth Social Feuerpausen ausruft, aber Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und die Hisbollah sich daran nicht gebunden fühlen, zerbröselt die Autorität des US-Präsidenten.

Iran nutzt Straße von Hormus als Druckmittel

Der Iran nutzte diese Lücke am Samstag sofort. Die Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormus erneut für gesperrt und warnten Schiffe, sich der Wasserstraße nicht zu nähern. Die Begründung: Israels Angriffe und ein amerikanischer „klarer Bruch“ der Verpflichtungen. Das iranische Khatam-al-Anbiya-Hauptquartier formulierte es wie eine Drohung mit Ansage: „Die Straße von Hormus wird für den Schiffsverkehr geschlossen. Dies ist der erste Schritt als Antwort auf den Vertragsbruch des Feindes.” Wenn die Aggression weitergehe, würden weitere Schritte folgen.

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Washington hielt dagegen. Ein Sprecher des US-Zentralkommandos erklärte: „Iran kontrolliert die Straße von Hormus nicht. Der Verkehr fließt weiter, und US-Kräfte überwachen die Lage, damit das so bleibt.“ Laut Centcom passierten allein am Samstag 55 Handelsschiffe die Meerenge – mit mehr als 17 Millionen Barrel Öl, der größte Teil allerdings iranisches Öl, was der leeren Kasse in Teheran zugutekommt.

Neue Gespräche in der Schweiz: Washington und Teheran ringen um Einigung

Trotzdem sollen am Sonntag im Bürgenstock-Ressort in der Schweiz technische Gespräche beginnen. Auf amerikanischer Seite sind Steve Witkoff und Jared Kushner, die umstrittenen Privat-Botschafter Trumps, vor Ort. Vize-Präsident JD Vance kündigte an, er werde „in den nächsten Tagen“ nachreisen; Diplomatie sei ein „heikler Koordinationstanz“. Auf iranischer Seite reiste eine Delegation um Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, Außenminister Abbas Araghchi sowie Sicherheits- und Ölvertreter an. Pakistan und Katar, die Mediatoren, sind ebenfalls dabei.

Kushner und Witkoff sind keine klassischen Diplomaten, sondern persönliche Trump-Vollstrecker. In Washington sehen Kritiker darin ein Risiko: zu viel familiäre Deal-Mentalität, zu wenig institutionelle Kontrolle. Auf iranischer Seite sitzt mit Ghalibaf ein Mann am Tisch, der nicht nur Verhandler, sondern Machtpolitiker ist. Außenminister Araghchi wiederum wird versuchen, aus jeder israelischen Bombe im Libanon amerikanische Bringschuld zu destillieren.

Iran stellt Bedingungen: Hisbollah-Frage als Knackpunkt

Genau das geschieht bereits. Irans Außenamt erklärte, man werde in der Schweiz auf Erfüllung der Zusagen drängen. Sprecher Esmaeil Bagahei warnte sinngemäß: Erst wenn zentrale Verpflichtungen eingehalten würden, könne die Arbeit an einem endgültigen Abkommen wirklich beginnen; andernfalls sei „das Memorandum als Ganzes gefährdet“. Ein Hisbollah-Vertreter sagte, Teheran habe der Miliz mitgeteilt, Hormus werde erst wieder geöffnet, wenn Israel öffentlich eine umfassende Waffenruhe im Libanon und ein Ende seiner Operationen zusage.

Aus israelischer Sicht ist die Hisbollah nicht nur ein iranischer Hebel, sondern eine unmittelbare Gefahr an der Nordgrenze. Israel verweist auf Raketen, Infiltrationen und besetzte Zonen, die es als „vorgeschobene Verteidigung“ beschreibt. Netanjahu kann innenpolitisch kaum erklären, warum er Soldaten zurückziehen soll, nur weil Trump und Iran einen Deal geschlossen haben. Aber Israels Logik der Sicherheit kollidiert frontal mit Trumps Logik der großen Unterschrift.

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Papierfrieden unter Beschuss: Experten sehen Konstruktionsfehler

„Der Friedensprozess ist deshalb noch kein Rohrkrepierer”, sagten Iran-Experten am Samstag in Washington, aber er starte mit einem Konstruktionsfehler. „Er hängt an Akteuren, die nicht am Tisch sitzen, und an einem US-Präsidenten, dessen Drohungen Benjamin Netanjahu nicht mehr beeindrucken.” Wenn die Schweizer Gespräche am Sonntag nur technische Details abarbeiten, während im Libanon weiter geschossen und in Hormus weiter gedroht wird, ist der Deal nicht schon vollends Makulatur. Aber er wird vom ersten Tag an als das behandelt, was er politisch derzeit ist: ein Papierfrieden unter schwerem Beschuss.