Knapp zwei Wochen nach der Unterzeichnung eines Rahmenabkommens ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erneut eskaliert. US-Streitkräfte griffen als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff iranische Ziele an. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) attackierten Ziele in den mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain. Im Südlibanon beschoss Israel derweil Kämpfer der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz. Trotz der jüngsten Bemühungen um eine Eindämmung der Gewalt stehen die Zeichen in der Region weiterhin auf Sturm.
Iranische Angriffe in Kuwait und Bahrain
Die Revolutionsgarden teilten mit, am frühen Morgen hätten die Marine und Luftwaffe in einem Raketen- und Drohneneinsatz acht Infrastrukturziele der US-Armee zerstört. Es handle sich um Ziele auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in Kuwait und der 5. US-Marineflotte in Mina Salman, Bahrain. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen. Die kuwaitische Armee hatte in der Nacht mitgeteilt, die Luftabwehr gehe gegen feindliche Raketen- und Drohnenangriffe vor. Der Golfstaat Bahrain bestätigte einen iranischen Angriff mit Drohnen und Raketen. Das Außenministerium sprach von einer „gefährlichen Eskalation“, die einem „bewussten Muster wiederholter Angriffe“ gegen das Land folge.
Zweiter US-Angriff auf Iran seit Rahmenabkommen
In der Nacht auf Sonntag waren die US-Streitkräfte zur zweiten Angriffswelle gegen den Iran seit Unterzeichnung des Rahmenabkommens übergegangen. Mehrere Ziele – darunter Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Überwachungsinfrastruktur – seien angegriffen worden, teilte das Regionalkommando Centcom mit. In der Nacht zum Samstag hatten die USA verkündet, iranische Raketen- und Drohnenlagerstätten sowie küstennahe Radaranlagen aus der Luft angegriffen zu haben – als Reaktion auf die Attacke auf ein Frachtschiff.
Iran beansprucht erneut die Kontrolle über Straße von Hormus
Dass der Konflikt wieder aufflammt, hat mit der ungelösten Lage an der Straße von Hormus zu tun. Der Iran hatte den Schiffsverkehr durch die Meerenge nach Beginn der Angriffe der USA und Israels am 28. Februar mit Drohungen und Angriffen faktisch zum Erliegen gebracht und diese als Hebel eingesetzt im Ringen um eine Verhandlungslösung. Die Öffnung der Meerenge ist zentraler Bestandteil des Rahmenabkommens – wie und unter welchen Bedingungen der Schiffsverkehr künftig durch die Meerenge fließen soll, ist aber noch alles andere als klar. Die Unschärfe der Einigung scheint der Iran nun zu nutzen, um Fakten zu schaffen: Das Frachtschiff war am Donnerstag vor der Küste des Omans attackiert worden, nachdem Irans Revolutionsgarden gewarnt hatten, dass Durchfahrten nur auf von Teheran festgelegten Routen sicher seien. Irans Außenminister Abbas Araghtschi sagte nun bei einem Besuch in Bagdad, der Seeweg werde „innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt“. Die Verantwortung für die Meerenge liege allein beim Iran. „Jegliche Einmischung oder der Versuch, parallele Strukturen zu schaffen, würde die Lage weiter verkomplizieren. Die Vorfälle und Auseinandersetzungen der vergangenen beiden Nächte in der Straße von Hormus belegen diese Einschätzung“, sagte Araghtschi. Am Samstag war nach Angaben der britischen Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt ein weiteres Frachtschiff von einem Geschoss getroffen worden.
Trump droht dem Iran mit Vernichtung
US-Präsident Donald Trump bezeichnete den US-Angriff als Vergeltung für einen erneuten Verstoß gegen die Waffenruhe seitens Teheran. „Es ist gut möglich, dass sie es nie lernen werden! Es könnte ein Punkt kommen, an dem wir nicht mehr vernünftig sein können und gezwungen sein werden, das Werk, das wir sehr erfolgreich begonnen haben, militärisch zu vollenden“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. „Sollte das geschehen, wird die Islamische Republik Iran nicht mehr existieren!“
Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon getötet
Ein Knackpunkt im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist auch der Konflikt im Libanon zwischen der von Teheran unterstützten Hisbollah-Miliz und Israel. Obwohl sich Israel und die libanesische Regierung am Freitag nach jahrzehntelangem Kriegszustand in einem Rahmenabkommen auf einen Weg zu Frieden und Sicherheit geeinigt hatten, bleibt die Lage im Südlibanon volatil. Die israelische Armee teilte mit, im Raum Nabatija mehrere Hisbollah-Kämpfer getötet zu haben. Sie seien mit einer Panzerabwehrrakete bewaffnet gewesen und hätten eine unmittelbare Bedrohung dargestellt. Bei einer weiteren Konfrontation mit einem Hisbollah-Kämpfer wurde nach Militärangaben in der Nacht ein israelischer Soldat getötet. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete über weitere israelische Angriffe im Süden trotz Waffenruhe.
Hisbollah lehnt Rahmenabkommen ab
Die Hisbollah war nicht an den Verhandlungen beteiligt und lehnt die Vereinbarung, die auch ihre Entwaffnung vorsieht, ab. Das Rahmenabkommen verpflichtet Israel – anders als von der Führung in Teheran und der Hisbollah gefordert – erst dann zum vollständigen Rückzug aus dem Südlibanon, wenn nichtstaatliche Gruppen wie die Hisbollah entwaffnet sind. Die Vereinbarung sieht jedoch vor, dass sich die israelische Armee schrittweise aus zwei Zonen zurückzieht und die libanesische Armee dort die Kontrolle übernimmt.



