Die russische Justiz hat einen internationalen Haftbefehl gegen den Telegram-Gründer Pawel Durow erlassen. Der Inlandsgeheimdienst FSB wirft dem 41-Jährigen vor, Terrorismus zu unterstützen. Durow, gebürtiger Russe, der sein Heimatland bereits vor Jahren verließ, reagierte unverzüglich und provokativ auf die Anschuldigungen.
Vorwürfe des FSB
Der FSB teilte mit, dass Telegram sich weigere, Chats und Bots zu schließen, die von ukrainischen Geheimdiensten und Terrororganisationen genutzt würden. Diese dienten angeblich dazu, in Russland Personal für Sabotageakte und Terroranschläge anzuwerben. Als konkretes Beispiel nannte der Geheimdienst einen populären Chatbot zur Partnersuche für Jugendliche. Über diesen Bot hätten ukrainische Dienste 46 junge Russen im Alter zwischen zwölf und 22 Jahren zu Straftaten verleitet, die vom FSB als Terroranschlag eingestuft wurden.
Durows Reaktion
Durow ließ nicht lange auf sich warten. Kurz nach Bekanntwerden des Haftbefehls postete er auf der Plattform X ein Foto, auf dem er den Mittelfinger in die Kamera streckt. Die Aufnahme ist verwackelt, die Botschaft jedoch eindeutig. Bereits im Februar, als die Ermittlungen erstmals bekannt wurden, hatte Durow erklärt: „Jeden Tag fabrizieren die Behörden neue Vorwände, um den Zugang der Russen zu Telegram einzuschränken, weil sie das Recht auf Privatsphäre und freie Rede einschränken wollen.“
Hintergrund der Spannungen
Moskau hat die Zensur im Internet seit der Vollinvasion der Ukraine 2022 massiv verschärft. Telefonate über Telegram werden bereits seit längerem blockiert, zuletzt wurde der Messenger gedrosselt. Dennoch nutzen selbst offizielle Stellen in Russland Telegram weiterhin – trotz Verbots. Nach Angaben aus Kyjiw wirbt Russland zudem Ukrainer für Sabotageakte hauptsächlich über Telegram an. Der Messengerdienst hat weltweit nach Branchenangaben mehr als eine Milliarde Nutzer.
Internationale Dimension
Nicht nur Russland übt Kritik an Telegram. Auch andere Staaten werfen der Plattform vor, dass Extremisten oder Kriminelle die verschlüsselte Kommunikation nutzen. Wegen des Vorwurfs, solchen Missbrauch nicht zu verhindern, wurde Durow 2024 in Frankreich festgenommen. Gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro kam er frei, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Bei der Festnahme in Frankreich sprach die russische Regierung noch von „politischer Verfolgung“. Nun erlässt Moskau selbst einen Haftbefehl gegen den Unternehmer.
Ausblick
Der Haftbefehl gegen Durow dürfte die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen weiter belasten. Gleichzeitig zeigt die Reaktion Durows, dass er sich von den Vorwürfen nicht einschüchtern lässt. Ob die internationalen Fahndungsmaßnahmen Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Telegram selbst hat sich bislang nicht offiziell zu dem Haftbefehl geäußert.



