Die im Exil lebende Putin-Kritikerin Ekaterina Schulmann hat die russische Elite scharf attackiert. „Die Abgeordneten Russlands stecken in einem Vertrag mit dem Teufel“, sagte sie im Interview mit dem Tagesspiegel. Die Politologin, die einst an zwei Moskauer Universitäten lehrte und für die Staatsduma arbeitete, wurde 2022 zur ausländischen Agentin erklärt und floh nach Berlin. Seit Oktober 2023 wird sie zusätzlich beschuldigt, Terroristin zu sein.
Schulmann über ihre Situation
Auf die Frage, womit sie den Zorn des russischen Staates auf sich gezogen habe, erklärte Schulmann: „Ich bin Teil eines Gruppenchats, in dem Journalisten, ein ehemaliger Ministerpräsident Russlands, Geschäftsleute und Akademikerinnen wie ich sich austauschen und gemeinsame Aktivitäten planen. Wir sind eine informelle Gruppe und nennen uns ‚Antikriegskomitee‘.“
Die 1,5 Millionen Follower starke Kritikerin betonte, dass es früher bessere Zeiten gegeben habe, um Teil der russischen Elite zu sein. Die derzeitige Säuberungswelle treffe nicht nur Oppositionelle, sondern auch systemtreue Kräfte.
Hintergrund der Säuberungen
Seit Beginn des Ukraine-Krieges hat Russland zahlreiche kritische Stimmen mundtot gemacht. Allein 2023 wurden über 4.000 Menschen wegen „Diskreditierung der Armee“ belangt. Schulmanns Fall zeigt, dass selbst ehemalige Regierungsmitarbeiter nicht mehr sicher sind.



