In Mexiko herrscht eine WM-Stimmung wie aus dem Bilderbuch. Grüne Trikots auf den Straßen, leidenschaftliche kolumbianische Fans in Gelb – doch der Schein trügt. Unter der Oberfläche des Fußballfests verbirgt sich eine Realität, in der die Ticketpreise für die meisten Mexikaner unerschwinglich sind. Das Durchschnittsgehalt im Land liegt bei nur 371 Euro, während Eintrittskarten bis in den vierstelligen Bereich kosten.
Wer die Stadien füllt: Eine exklusive Gesellschaft
Der mexikanische Schriftsteller Juan Villoro hatte es vor dem Turnier prophezeit: „Influencer, Millionäre, Mitglieder der organisierten Kriminalität und Fifa-Mitarbeiter“ würden die Stadien füllen. Und tatsächlich trifft man dort kaum jemanden, der nicht zu den reicheren Menschen im Lande zählt. Fan Juan Reina, der von Mexiko-Stadt nach Guadalajara gereist ist, gibt offen zu: „Die Mexikaner, die du hier im Stadion siehst, sind nicht die normalen Mexikaner von der Straße, sondern diejenigen mit sehr hohem Einkommen.“ Er selbst zahlte zwischen 2000 und 3000 US-Dollar für seine Karte – eine Summe, die ihm sichtlich unangenehm ist.
Die teuerste WM der Geschichte
Viele Karteninhaber wollen nicht sagen, wie viel sie bezahlt haben. Der Spanien-Fan Fernando Tarrés aus Salamanca bringt es auf den Punkt: „Das ist die teuerste WM der Geschichte, am Ende verliert hier der Fan.“ Auch sein Freund Albano Gutierrez hält die Preise für „viel zu teuer im Vergleich zu früheren Weltmeisterschaften, wo wir im Stadion waren“. Während auf der offiziellen Fifa-Plattform fast keine Karten unter 1000 Dollar angeboten werden, versuchen vor dem Aztekenstadion einige, Tickets für ein paar Hundert Euro bar zu verkaufen – immer noch ein Vermögen für viele.
Internationale Fans und die neue Normalität
Doch nicht alle Besucher kommen aus der Oberschicht. Die Uruguayerin Clara, die ihrer Mannschaft nach Guadalajara und Miami folgt, betont: „Bei uns sind es immer Menschen mit mittleren oder höheren Einkommen, die zur WM fahren. Wir sind ein Land mit viel Armut, und auch wenn die Karten nur zehn Dollar kosten, muss man trotzdem Flüge und Unterkünfte bezahlen.“ Sie zahlte 300 Euro für ihre Karte, ebenso wie viele andere, die bei der Verlosung vor einem Jahr Glück hatten. Stefan aus Bonn, der seine Tochter in Mexiko besucht, kam über seinen Schwiegersohn an Karten und zahlte ebenfalls einen ähnlichen Betrag: „Mittlerweile geht das schon.“
Leere Plätze trotz offizieller Zahlen
Die hohen Preise zeigen sich auch in den Stadien. Bei Spielen von Mexiko oder Kolumbien sind die Ränge zwar voll, doch bei anderen Partien bleiben viele Plätze leer. Beim Spiel Spanien gegen Uruguay gab die Fifa offiziell 45.065 Zuschauer an – knapp unter der Vollauslastung. Die vielen leeren Sitze erzählen jedoch eine andere Geschichte. Die WM 2026 ist die erste mit 48 Teams ausgetragene WM, was die Anzahl der Spiele und damit auch das Angebot an Tickets erhöht hat, aber die Preise sind dennoch exorbitant.
Ausblick: Wird es billiger?
Ob diese Preise die neue Normalität sind, bleibt abzuwarten. Die Spanier Tarrés und Gutierrez erwarten für die WM 2030 in Spanien niedrigere Preise. „Ich glaube, es hat viel mit den USA zu tun“, sagt Albano. „In Spanien wird es billiger sein.“ Bis dahin bleibt Mexiko das Beispiel einer WM, die für viele nur aus der Ferne zu erleben ist – als Party auf den Straßen, nicht in den Stadien.



