Seit Monaten bemüht sich Silke Lehnert um einen neuen Job. Die 62-jährige Berlinerin hat mehr als 30 Jahre Erfahrung im Personalwesen, doch alle ihre Bewerbungen verlaufen im Sande. „Ich will arbeiten und ich kann arbeiten. Aber keiner gibt mir die Möglichkeit“, sagt sie. Mehr als 90 Bewerbungen hat sie verschickt, zu keinem einzigen Vorstellungsgespräch wurde sie eingeladen.
Die Situation von Ü60-Arbeitssuchenden
Lehnerts Fall ist kein Einzelfall. Viele Menschen über 60 haben Schwierigkeiten, eine neue Stelle zu finden, obwohl sie qualifiziert und motiviert sind. Oft spielen Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern eine Rolle. Unternehmen befürchten höhere Kosten, geringere Flexibilität oder eine kürzere Verweildauer im Betrieb. Dabei bringen ältere Beschäftigte wertvolle Erfahrung und Stabilität mit.
Lehnerts Bewerbungsstrategie
Silke Lehnert hat ihre Bewerbungsunterlagen mehrfach überarbeitet und sich auf verschiedene Stellen beworben – von der Personalreferentin bis zur Sachbearbeiterin. „Ich habe sogar Abstriche bei meinen Gehaltsvorstellungen gemacht“, erklärt sie. Doch selbst auf einfachere Positionen erhält sie keine Rückmeldung. „Es ist frustrierend, wenn man jahrelang gearbeitet hat und plötzlich nichts mehr wert ist.“
Neue Ansätze
Jetzt will Lehnert ihre Strategie ändern. Sie plant, sich stärker zu vernetzen und auf persönliche Kontakte zu setzen. „Vielleicht klappt es über Empfehlungen besser“, hofft sie. Auch möchte sie ihre Bewerbungen noch gezielter auf Unternehmen ausrichten, die Wert auf Erfahrung legen. „Ich werde mich nicht unterkriegen lassen“, betont sie. „Irgendwann werde ich eine Stelle finden, die zu mir passt.“
Die Geschichte von Silke Lehnert zeigt, wie schwierig der Arbeitsmarkt für Menschen über 60 sein kann. Experten fordern mehr Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung und eine bessere Integration älterer Arbeitnehmer. Bis dahin bleibt Lehnert optimistisch: „Ich gebe nicht auf.“



