Arbeitgeber fordern von der Regierung Streik-Stopp nach erneuter Nahverkehrslähmung
Erneut hat der Arbeitskampf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland weitgehend lahmgelegt. Am Freitag mussten sich Millionen Pendler auf dem Weg zur Arbeit nach Alternativen umsehen, während auch Schüler betroffen waren, da zahlreiche Busse und Bahnen in den Depots blieben. Die Situation setzte sich am Samstag fort, sodass der Verkehr in vielen Städten nahezu zum Erliegen kam.
„Plumper Erpressungsversuch“: Arbeitgeberverbände platzt der Kragen
Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeber-Dachverbandes BDA, äußerte sich scharf zu den Streiks: „Dieser Streik ist ein plumper Erpressungsversuch. Am Ende leiden vor allem die Menschen, die zur Arbeit fahren. Wir fordern ernsthafte Verhandlungen statt Eskalation.“ Wegen stockender Tarifverhandlungen hatte Verdi rund 100.000 Beschäftigte in etwa 150 kommunalen Verkehrsbetrieben zum Streik aufgerufen.
Die Gewerkschaftsvertreter signalisierten, dass der Druck auf die Arbeitgeber notfalls weiter erhöht werde. Kampeter appellierte an die Bundesregierung: „Der Gesetzgeber ist gefordert. Ein Streik von 48 Stunden, der Bus und Bahn lahmlegt, ist kein Warnstreik. Dass die Gerichte sowas dulden, zeigt: Wir brauchen neue Fairness-Regeln im Streik.“
Wirtschaftliche Lage versus Forderungen: „Öffentlicher Sektor immer gieriger“
Kampeter kritisierte, dass die Forderungen der Gewerkschaft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage stünden: „Die Wirtschaft wächst nicht, viele Unternehmen schlingern, Jobs sind gefährdet – und der öffentliche Sektor wird immer gieriger. Zuletzt gab es bereits ein ordentliches Lohn-Plus. Das ist nicht weiter finanzierbar.“ Die Gewerkschafter fordern unter anderem geringere Wochenarbeitszeiten und höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.
Meinungsbild: Knappe Mehrheit der Deutschen gegen die Streiks
Eine Umfrage zeigt, dass die knappe Mehrheit von 47 Prozent mit den Streiks nicht einverstanden ist. Eher richtig finden den Arbeitskampf 42 Prozent der Befragten. Verdi hatte bereits Anfang Februar gestreikt und verhandelt mit den kommunalen Arbeitgeberverbänden über sogenannte „Manteltarifverträge“.
Gefordert werden vor allem bessere Jobbedingungen zur Entlastung der Beschäftigten, darunter:
- Kürzere Wochenarbeitszeiten
- Änderungen bei Schichtdiensten
- Höhere Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit
Es besteht die Möglichkeit, dass diese Forderungen zu höheren Preisen bei Bus und Bahn führen könnten. Dagegen sprechen sich klare 55 Prozent der Bevölkerung aus, während nur 30 Prozent dies für angemessen halten.
Die Debatte um die Streiks im öffentlichen Nahverkehr verdeutlicht die Spannung zwischen den Interessen der Arbeitnehmer und den wirtschaftlichen Realitäten. Während die Gewerkschaften auf Verbesserungen der Arbeitsbedingungen drängen, warnen Arbeitgeber vor den finanziellen Folgen und fordern gesetzliche Maßnahmen zur Eindämmung der Arbeitskämpfe.



