Arbeitskräftezahl in Deutschland bleibt bis 2045 stabil – Ostdeutschland mit deutlichen Verlusten
Das Arbeitskräfteangebot in Deutschland wird in den kommenden zwei Jahrzehnten nur minimal schrumpfen, während sich die regionalen Unterschiede deutlich verschärfen. Dies geht aus einer aktuellen Hochrechnung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervor.
Leichter Rückgang bei bundesweiter Stabilität
Die sogenannte Erwerbspersonenzahl wird bis zum Jahr 2045 im Vergleich zu 2022 lediglich um etwa 0,5 Prozent auf rund 43,3 Millionen Menschen sinken. Damit bleibt das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland auf nationaler Ebene erstaunlich stabil. Als Erwerbspersonen gelten dabei alle Personen im Alter von 15 bis unter 75 Jahren, die den Wunsch nach einer Erwerbstätigkeit äußern – unabhängig von ihrer tatsächlichen Beschäftigungssituation.
Ostdeutsche Regionen mit massiven Verlusten
Die regionale Entwicklung zeigt jedoch ein völlig anderes Bild. In 58 von insgesamt 96 untersuchten Regionen wird die Zahl der Erwerbspersonen abnehmen. Besonders betroffen sind strukturschwächere Gebiete, vor allem in Ostdeutschland. Für Regionen wie die Altmark, Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg und Nordthüringen prognostizieren die Experten Rückgänge von mindestens 20 Prozent.
Der Hauptgrund für diese dramatische Entwicklung liegt in der demografischen Struktur: „Zu wenige junge Menschen rücken nach, um altersbedingt ausscheidende Arbeitskräfte zu ersetzen“, erklärt das BBSR. Anders als in Wachstumsregionen könnten Zuwanderung und steigende Erwerbsbeteiligung diese Verluste nicht ausgleichen.
Ballungsräume verzeichnen deutliche Zuwächse
Im Kontrast zu den schrumpfenden Regionen stehen die strukturstarken Ballungsräume. Für Hamburg und München werden Anstiege von jeweils mehr als neun Prozent erwartet, während Berlin sogar mit einem Plus von rund 15 Prozent rechnen kann. In diesen Wachstumsregionen steigt die Erwerbspersonenzahl vor allem durch Zuzüge aus anderen Regionen und dem Ausland. Zusätzlich trägt eine höhere Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zum positiven Trend bei.
Politische Handlungsoptionen und Qualifizierung
Das Bundesinstitut sieht politische Handlungsspielräume insbesondere bei der gesteuerten Zuwanderung. Gleichzeitig gewinnt Fort- und Weiterbildung an Bedeutung. „Wenn das Arbeitskräfteangebot insgesamt zurückgeht und weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, lässt sich aktuelles Wissen vor allem durch Qualifizierung sichern“, betonen die Experten.
Die Prognose unterstreicht die wachsende regionale Polarisierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Während Metropolregionen von Zuzug und steigender Erwerbsbeteiligung profitieren, stehen ländliche und ostdeutsche Gebiete vor erheblichen demografischen Herausforderungen, die langfristige wirtschaftliche Folgen haben könnten.



