Entscheidungswoche bei der Deutschen Bahn: Tarifverhandlungen vor dem Ende der Friedenspflicht
Die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) treten in eine entscheidende Phase ein. In dieser Woche findet die letzte Verhandlungsrunde statt, bevor die Friedenspflicht Ende Februar ausläuft. Bis Freitag müssen beide Seiten einen Kompromiss finden, um einen bundesweiten Arbeitskampf zu verhindern, der den Bahnverkehr im März lahmlegen könnte.
Fünfte Verhandlungsrunde mit hohem Druck
Es handelt sich bereits um die fünfte Runde in dieser Tarifauseinandersetzung, nachdem der alte Tarifvertrag Ende Dezember ausgelaufen ist. Während der bis Ende Februar geltenden Friedenspflicht darf die GDL keine Streiks oder Warnstreiks ausrufen, was die Verhandlungen bisher relativ geräuschlos verlaufen ließ. Dennoch hat GDL-Chef Mario Reiß das jüngste Angebot der Bahn abgelehnt und einen Abbruch der Gespräche nicht ausgeschlossen.
Kontroverse Forderungen und Angebote
Die Gewerkschaft fordert eine Gehaltserhöhung von insgesamt 8 Prozent für die Beschäftigten. Davon sollen 3,8 Prozent durch eine direkte Entgelterhöhung erreicht werden, während die restlichen Steigerungen über Umstrukturierungen im Tarifsystem, wie die Einführung einer neuen Tarifstufe, realisiert werden sollen.
Die Deutsche Bahn hat ihrerseits ein Angebot vorgelegt, das eine Lohnerhöhung von 3,8 Prozent in zwei Schritten sowie zusätzliche 2,2 Prozent durch Anpassungen im Tarifsystem vorsieht. Eine von der GDL geforderte zusätzliche Entgeltstufe ist dabei berücksichtigt. Zudem bietet die Bahn eine Einmalzahlung von 400 Euro an.
Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt die Laufzeit des neuen Tarifvertrags. Die Arbeitgeberseite drängt auf eine Laufzeit von 30 Monaten, während die GDL an 12 Monaten festhält.
Tarifeinheitsgesetz als kritischer Faktor
Ein weiterer Knackpunkt in den Verhandlungen sind Vorschläge der Bahn zum Tarifeinheitsgesetz. Dieses Gesetz regelt, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Gewerkschaft angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat. In den meisten der rund 300 Bahn-Betriebe ist dies die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).
In einigen Dutzend Betrieben sind die Mehrheitsverhältnisse jedoch unklar, was seit Jahren zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen der Bahn und der GDL führt. Die Bahn hat nach eigenen Angaben neue Lösungsvorschläge unterbreitet, die nun diskutiert werden müssen.
Zuversicht trotz Konfliktpotenzial
Trotz der deutlichen Differenzen und des erheblichen Konfliktpotenzials äußerten sich beide Seiten nach dem letzten Treffen zuversichtlich, in dieser Verhandlungsrunde eine Lösung zu finden. Für die Fahrgäste bleibt die Hoffnung, dass ein Kompromiss erzielt wird und ein chaotischer Frühjahr auf der Schiene vermieden werden kann.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob es zu einer Einigung kommt oder ob die Verhandlungen scheitern und damit Streiks drohen, die den Bahnverkehr in Deutschland erheblich beeinträchtigen würden.



