Historische Einigung bei Bahn-Tarifverhandlungen
In einer langen Verhandlungsnacht haben die Deutsche Bahn und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einen Durchbruch erzielt. Die Tarifrunde, die seit Januar lief, ist damit ohne einen einzigen Warnstreik zu Ende gegangen. Beide Seiten werden die Details des Kompromisses am heutigen Freitagvormittag um 11 Uhr der Öffentlichkeit präsentieren.
Erste friedliche Einigung seit acht Jahren
Es handelt sich um die erste Tarifrunde zwischen Bahn und GDL seit dem Jahr 2018, die vollständig ohne Arbeitskämpfe abgeschlossen werden konnte. Damals führte noch der streitbare Claus Weselsky die Verhandlungen für die Gewerkschaft. Die nun beendeten Gespräche markieren die Premiere unter dem neuen GDL-Bundesvorsitzenden Mario Reiß, der einen deutlich anderen Verhandlungsstil pflegte als sein Vorgänger.
Die Verhandlungen hatten Anfang Januar begonnen, nachdem der alte Tarifvertrag Ende Dezember 2025 ausgelaufen war. Insgesamt waren fünf Verhandlungsrunden angesetzt worden. Bis einschließlich Februar galt eine Friedenspflicht, während der die GDL nicht zu Streiks aufrufen konnte. Wären die Gespräche diese Woche gescheitert, hätten im März massive Warnstreiks mit erheblichen Auswirkungen auf den gesamten Bahnverkehr gedroht.
Komplexe Verhandlungspunkte
Die Gewerkschaft hatte in ihren Forderungen unter anderem eine Gehaltserhöhung von insgesamt 8 Prozent für die Beschäftigten gefordert. Davon sollten 3,8 Prozent durch eine direkte Entgelterhöhung erreicht werden, während die weiteren Steigerungen durch Umstrukturierungen im Tarifsystem realisiert werden sollten.
Die Deutsche Bahn legte am 10. Februar ihr erstes Angebot vor, das folgende Punkte umfasste:
- Lohn- und Gehaltserhöhung um 3,8 Prozent in zwei Schritten
- Zusätzliche Steigerung um 2,2 Prozent durch Anpassungen im Tarifsystem
- Eine von der GDL geforderte zusätzliche Entgeltstufe
- Eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro
Deutliche Differenzen bestanden bei der Vertragslaufzeit. Während die Arbeitgeberseite 30 Monate anstrebte, wollte die GDL lediglich eine Laufzeit von 12 Monaten.
Lösung für langjährigen Konflikt um Tarifeinheitsgesetz
Ein besonders kniffliger Punkt in den Verhandlungen betraf das sogenannte Tarifeinheitsgesetz. Dieses Gesetz sieht vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Gewerkschaft angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat. In den meisten der rund 300 Bahn-Betriebe ist dies die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).
Die Bahn wollte mit der GDL ein spezielles Verfahren vereinbaren, bei dem mit notarieller Hilfe die gewerkschaftlichen Mehrheiten vor allem in umstrittenen Betrieben genauer ermittelt werden können. Diese Frage galt als einer der Hauptstreitpunkte in den Verhandlungen.
Sachlicher Verhandlungsstil ohne öffentliche Eskalation
Die gesamte Tarifrunde verlief bemerkenswert sachlich. Beide Seiten verzichteten weitgehend auf öffentlich ausgetragene Streitereien. Lediglich nach Vorlage des Arbeitgeberangebots äußerte sich GDL-Chef Mario Reiß kritisch über die Bahn und warf ihr eine Verzögerungsstrategie vor.
Reiß drohte damals sogar mit dem Abbruch der Verhandlungen und möglichen Warnstreiks, setzte die Gespräche aber in den folgenden Tagen fort. Die Bahn-Seite unter Personalvorstand Martin Seiler verzichtete vollständig auf kritische Äußerungen über den Verhandlungspartner und hielt sich mit öffentlichen Kommentaren zurück.
Die Einigung bedeutet nicht nur Planungssicherheit für Millionen Bahnkunden, sondern auch eine historische Wende in den oft konfliktreichen Beziehungen zwischen Bahn und Lokführergewerkschaft. Für die nächsten Monate sind nun keine betrieblichen Störungen durch Arbeitskämpfe zu erwarten, was angesichts der Bedeutung des Schienenverkehrs für Wirtschaft und Gesellschaft von großer Bedeutung ist.



