Arbeitsministerin Bärbel Bas: Nur zwei konkrete Betriebsbesuche seit Amtsübernahme
Wie oft hat sich Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas (57, SPD) tatsächlich vor Ort in deutschen Unternehmen umgesehen? Eine Anfrage an das Bundesarbeitsministerium (BMAS) brachte überraschend klare Zahlen ans Licht: Seit ihrem Amtsantritt führte die Ministerin lediglich zwei konkrete Besuche in einzelnen Betrieben durch.
Die beiden dokumentierten Unternehmensbesuche
Das Ministerium nannte auf Nachfrage genau zwei Termine, die beide dem Themenbereich „Ausbildung“ zuzuordnen sind. Am 10. November 2025 nahm Bas an einem Spitzentreffen der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ auf dem Aqua-Campus der Berliner Wasserbetriebe teil. Dort diskutierte sie mit Auszubildenden über die Stärkung der dualen Ausbildung.
Der zweite dokumentierte Besuch fand am 21. Januar 2026 im Ausbildungszentrum der „ABB AG“ in Berlin statt. Weitere konkrete Vor-Ort-Termine in einzelnen Unternehmen führt das BMAS in seiner offiziellen Antwort nicht auf.
Treffen ohne Betriebsbesichtigungen
Zusätzlich zu den beiden Besuchen traf sich die Ministerin laut Ministeriumsangaben mit Vertretern von Volkswagen, der Deutschen Bahn sowie mit Gewerkschafts- und Betriebsratsvertretern von Thyssen Krupp. Allerdings fanden diese Gespräche jeweils ohne konkreten Unternehmensbesuch statt.
Das BMAS kündigte nun weitere Aktivitäten an: Am 12. März soll der Auftakt eines neuen Ministeriumsformats bei Rolls-Royce in Dahlewitz erfolgen. Zudem ist eine Sommertour geplant, bei der Bas verschiedene Betriebe besuchen will.
Umfangreiche Gespräche mit Verbänden und Gewerkschaften
Während die Betriebsbesuche überschaubar blieben, zeigt die Terminliste des Ministeriums intensive Kontakte zu verschiedenen Interessengruppen:
- 15 Termine mit Arbeitgebervertretern einschließlich BDA, DIHK, Handelsverband Deutschland, Zentralverband des Deutschen Handwerks und Branchenvertretern aus Industrie und Wirtschaft
- 21 Treffen mit Arbeitnehmervertretern wie DGB, IG Metall, IG BCE, IG BAU, GEW, VdK, SoVD, AWO und dem Paritätischen Gesamtverband
Hinzu kommen größere Dialogformate wie der „Stahldialog“, der „Autodialog“ sowie ein „Dax-40-Format“ mit Personalvorständen und Konzernbetriebsräten.
Bilanz der ersten Monate im Amt
Die Zahlen zeigen ein klares Bild: Während Ministerin Bas intensiven Austausch mit Verbänden und Interessenvertretungen pflegt, blieben konkrete Besuche in produzierenden Unternehmen oder Dienstleistungsbetrieben bisher die Ausnahme. Die angekündigten Aktivitäten für das laufende Jahr deuten jedoch auf eine verstärkte Präsenz vor Ort hin.
Die Diskrepanz zwischen zahlreichen Gesprächen mit Organisationen und wenigen direkten Betriebskontakten wirft Fragen nach der Arbeitsweise des Ministeriums auf. Gleichzeitig betont das BMAS die Bedeutung der angekündigten Sommertour und des neuen Dialogformats für eine intensivere Praxisnähe.



