Ernteauftakt: Bauernpräsident Rukwied beklagt Überlebenskampf der Landwirte
Bauernpräsident beklagt Überlebenskampf der Landwirte

Zum Start der Getreideernte in Deutschland hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, eine düstere Bilanz gezogen. Die Landwirte litten unter enormem Kostendruck, Wetterextremen und einer neuen Debatte um die Abschaffung von Minijobs. „Die Landwirtschaft kämpft im Moment ums Überleben“, sagte Rukwied am Dienstag in Ransdorf südlich von Berlin.

Minijobs und Tankrabatt: Zusätzliche Belastungen für die Bauern

Besonders die Diskussion über einen möglichen Wegfall von Minijobs mit einem Verdienst von bis zu 603 Euro im Monat sorgt für Unruhe. Eine Regierungskommission hatte dies im Rahmen einer Rentenreform vorgeschlagen, konkrete Änderungen sind jedoch noch offen. „Gerade auch wir in der Landwirtschaft, neben der Gastronomie, sind auf Minijobber angewiesen“, betonte Rukwied. Sie seien bei der Ernte und Aussaat unersetzlich. Ein Wegfall würde eine weitere Belastung bedeuten.

Zudem fordert der Bauernverband eine Verlängerung des Tankrabatts bis Ende November. „Jetzt ist die Zeit, wo bei uns die Hauptarbeiten anfallen“, so Rukwied. Die Energiekosten erdrückten die Landwirtschaft, da während der Ernte viel Treibstoff benötigt werde. Der Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Christoph Plass, bezifferte die Mehrkosten für seinen Betrieb: „Wir brauchen über 1.000 Liter Treibstoff am Tag, nur für einen Mähdrescher. Das sind Mehrkosten von über 500 Euro bei den Preissteigerungen im Vergleich zum letzten Jahr.“ Für den Gesamtbetrieb summierten sich die Mehrkosten auf mehr als 100.000 Euro. „Das führt zu blanker Frustration bei mir“, sagte Plass. „Auch wenn wir eine durchschnittliche Ernte einfahren, ist sie auf der wirtschaftlichen Seite einfach nicht gut.“

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Hitzewelle gefährdet Ernteerträge

Die extreme Hitzephase im Juni könnte laut Bauernverband zu Ernteeinbußen führen. „Insofern befürchten wir, dass wir hier Ertragsrückgänge, insbesondere bei späteren Kulturarten wie Weizen, hinnehmen müssen“, erklärte Rukwied. Derzeit gehe er noch von einer Durchschnittsernte aus, allerdings mit regionalen Unterschieden. Beim Getreide spreche man von Notreife: Ab einer Temperatur von über 27 Grad schalte das Getreide auf einen Selbsterhaltungsmodus. „Es gibt dann Qualitätseinbußen und kleinere Körner. Das heißt am Ende weniger Ertrag“, so der Bauernpräsident. „Die Folgen des Klimawandels sind unmittelbar spürbar. Extremwetterlagen wie Hitze, Starkregen und Trockenperioden treten häufiger auf.“ Die Gesamtfläche für den Getreideanbau liegt laut Verband mit 6,03 Millionen Hektar leicht über dem Vorjahr (5,92 Millionen Hektar).

Schilf-Glasflügelzikade bedroht Kartoffeln und Zuckerrüben

Ein weiteres Problem ist die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade, die bundesweit den Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse bedroht. Das Insekt überträgt bakterielle Erreger und kann zu großen Ernteausfällen führen. Die für 2026 erteilten Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel gegen die Zikade verschafften kurzfristig Luft, könnten aber keine Dauerlösung sein, sagte Rukwied. „Wir brauchen Zulassungen für wirksame Pflanzenschutzmittel.“

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