Die Bundesnetzagentur hat die Trassenentgelte für den Schienenverkehr in Deutschland neu geordnet. Der Nahverkehr muss ab 2026 deutlich mehr zahlen, während Fern- und Güterverkehr entlastet werden. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), das die bisherige Trassenpreisbremse im Nahverkehr für ungültig erklärte.
Bislang waren Erhöhungen der Trassenentgelte für den Nahverkehr auf drei Prozent pro Jahr begrenzt, unabhängig von den tatsächlichen Kostensteigerungen der DB InfraGO. Die darüber hinausgehenden Kosten mussten der Fern- und Güterverkehr tragen. Nach dem EuGH-Urteil vom März 2026 hob die Bonner Behörde die bisherigen Entgelte für 2026 auf.
Nahverkehr mit neun Prozent mehr Belastung
Laut Bundesnetzagentur muss der Nahverkehr nun rund 400 Millionen Euro zusätzlich aufbringen, was einer Steigerung von neun Prozent entspricht. Der Fernverkehr kann mit einer Absenkung um 17 Prozent rechnen, der Güterverkehr um zwölf Prozent. Die Behörde kündigte an, auch die Trassenpreise für 2025 zu überprüfen; eine Entscheidung soll später im Jahr fallen.
Mehrere Verkehrsunternehmen und die DB InfraGO selbst hatten gegen die bisherige Praxis geklagt. Das Verwaltungsgericht Köln legte den Fall dem EuGH vor. Nach dessen Urteil steht die Bundesregierung nun unter Druck, die Trassenpreise grundlegend zu reformieren. Ein Konzept soll nach der Sommerpause vorgelegt werden.
Verkehrsminister warnt vor Auswirkungen auf Deutschlandticket
Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) sieht durch die höheren Trassenpreise das Deutschlandticket in Gefahr. „Das Deutschlandticket ist das größte Versprechen für bezahlbare Mobilität, das wir den Menschen in diesem Land seit Jahrzehnten gegeben haben“, sagte Crumbach bereits vor der Anordnung der Netzagentur. „Wer jetzt die Trassenpreise für S-Bahn und Regionalzüge massiv erhöht, verabschiedet sich faktisch von diesem Versprechen. Denn die zusätzlichen Kosten für Netzentgelte fehlen letztlich bei der Finanzierung der Zugangebote.“
Die Neuregelung der Trassenentgelte könnte somit direkte Auswirkungen auf die Fahrgäste haben. Sollten die Mehrkosten nicht durch zusätzliche öffentliche Mittel gedeckt werden, drohen Einschränkungen im Nahverkehrsangebot oder eine Verteuerung des Deutschlandtickets.



